Zeitung Heute : Schaufenster für Existenzgründer

Morgen beginnt die Kongressmesse deGUT 2006 auf dem Messegelände unter dem Funkturm. 220 Aussteller erklären, wie man selbstständig werden kann

Reinhart Bünger Regina-C. Henkel

Wer sich selbstständig machen will, sucht erst einmal eine „zündende Idee“. Welche Ideen schon auf dem Markt und welche auch tragfähig sind, lässt sich auf den Deutschen Gründer- und UnternehmerTagen 2006 (deGUT) unter dem Funkturm überprüfen. Von Freitag bis einschließlich Sonntag geht es in den Hallen 12 bis 15 auf rund 6000 Quadratmetern ausschließlich um Anreize, Anregungen und Angebote für Existenzgründer und Jungunternehmer. Zu der dreitägigen Veranstaltung werden mehr als 10 000 Besucher erwartet.

Mit funktionierenden Beispielen gelungener Existenzgründungen steht und fällt die Attraktivität einer Gründermesse. Die deGUT ist als „Schaufenster unternehmerischer Kreativität und Risikobereitschaft“ angelegt. Als „Deutschlands bedeutendste Kongressmesse für Selbstständigkeit und Unternehmertum“ will sie Existenzgründungswillige mit Fakten und Kontakten versorgen.

Das ist auch dringend notwendig. Denn das Interesse an einer selbstständigen beruflichen Existenz ist groß wie nie. Unter anderem, weil es Mitte des Jahres der Ich-AG und auch dem Überbrückungsgeld endgültig an den Kragen geht. Businessplan und fachkundige Stellungnahme sind dann Pflicht – auch für Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die Einstiegsgeld beantragen wollen. „Wer gründen will“, sagen deshalb die Experten der Münchner Existenzgründer-Bürogemeinschaft „ueberbrueckungsgeld.de“, „muss sich deshalb beeilen.“

Die deGUT – seit 1992 eine Gemeinschaftsveranstaltung der Länder Berlin und Brandenburg – erfasst die Bereiche Existenzgründungs- und Unternehmensberatung, Finanzdienstleistungen, Gewerbestandorte, Weiterbildung sowie Büroausstattung und -services. Rund 220 Aussteller sind unter dem Motto „Schritt für Schritt zum Unternehmen“ präsent: Banken und Versicherungen, Hochschulen und Weiterbildungsinstitutionen, Ministerien und Berufsverbände, Kammern und Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Unternehmensberatungen und Steuerprüfungsgesellschaften sowie Technologie- und Gründerzentren. Darüber hinaus wird ein umfangreiches und kostenfreies Seminarprogramm geboten.

Nach den Worten von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) trägt die deGUT zum „positiven Gründungsklima“ in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg bei. In beiden Bundesländern liegt der Anteil der Selbstständigen an der Gesamtbevölkerung über dem Bundesdurchschnitt von 11,2 Prozent – in Berlin waren es im vergangenen Jahr 13,7, in Brandenburg 11,4 Prozent. Der Berliner Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch betonte, die Messe habe sich zu einem wichtigen Impulsgeber für Gründer aus ganz Deutschland entwickelt.

Nicht immer werden die Existenzgründungen ganz freiwillig vollzogen. Häufig soll mit dem Schritt in die Selbstständigkeit drohende Arbeitslosigkeit abgewendet werden. Existenzgründer in Deutschland starten vor diesem Hintergrund meist allein in die Selbstständigkeit. In den ersten zwölf Monaten der Unternehmensgründung arbeiteten 79 Prozent der 342 000 Selbstständigen ohne zusätzliches Personal, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Weitere 16 Prozent der Existenzgründer arbeiteten im ersten Gründungsjahr mit bis zu vier Beschäftigten und fünf Prozent stellten zu Beginn fünf oder mehr Menschen ein. Im Vergleich zum Jahr 2000 bedeutet dies einen Anstieg der Alleinschaffenden um sieben Prozent. Den größeren Anteil von Kleinstunternehmen führten die Statistiker auf den staatlichen Zuschuss für Ich-AGs zurück. Die Ich-AGs spielen im Gründungsgeschehen und in den Vergleichen der An- und Abmeldungen von Unternehmen eine große Rolle. Die Wirtschaftsverwaltungen Berlins und Brandenburgs beobachten derzeit einen Rückgang der Ich-AGs. „Die Geschäftsgründung ohne einen Businessplan hat sich nicht bewährt“, erklärte Straub zum Auftakt.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) – Schirmherr der Kongressmesse – hat sich „die Förderung von Ausgründungen aus der Wissenschaft“ auf die Fahnen geschrieben. „Dieses Potenzial schöpfen wir noch nicht genug aus“, sagt Glos und verspricht, „Existenzgründer von bürokratischen Hemmnissen, wie z.B. Statistikpflichten, zu befreien“. Welche Ideen Erfolg versprechen können, wird in der Messehalle 15.1 demonstriert. Hier findet zum zweiten Mal die so genannte Gründer-IdeenMesse statt. Hier geht es um Erfahrungen mit dem kleinen Einmaleins des Unternehmers, das Brandenburgs Gründer-Champions Dirk Robinski und Sandy Lohmann mit ihrem Multimedia-Unternehmen „New Web Vision“ (Cottbus) bereits beherrschen: Planen, Finanzieren und Verkaufen. „Gründer brauchen einen menschlichen Anlaufpunkt“, erklärt Messeleiter Frank Langrock das Ausstellungskonzept. „Sie brauchen Antworten auf die Frage: Wie hast du es denn gemacht?“

Die deGUT 2006 ist in den Messehallen unter dem Funkturm am Freitag und am Sonnabend jeweils von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 10 Euro (ermäßigt fünf Euro). Weitere Informationen im Internet unter: www.degut.de

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