SCHAUSPIELJean Baptiste Molières „Der Menschenfeind“ : Wider die Heuchelei

Antje Horn-Conrad

Das eine denken, das andere sagen, schmeicheln, ohne Wert zu schätzen – all das ist dem Adeligen Alceste zuwider. Er will in seinen Gedanken und Entscheidungen frei und wahrhaftig bleiben und sich nicht anpassen müssen, um persönliche Vorteile zu erheischen. Die Schwierigkeiten, die sich zwangsläufig daraus ergeben, kalkuliert er ein. Sie bestätigen nur sein negatives Bild vom Menschen.

Wie seinem aufbegehrenden Helden in „Der Menschenfeind“ gelang es auch Molière selbst nicht recht, standesgemäße Konversation zu betreiben und die höfische Etikette einzuhalten. Ob am königlichen Hofe oder in der heutigen Bussi-Bussi-Szene – Molière kritisiert ein Gesellschaftsspiel, das nicht aus der Mode kommt.

Wenn Philippe Besson die 1666 uraufgeführte Komödie jetzt im Hans Otto Theater inszeniert, wird es an Assoziationen in die Gegenwart nicht fehlen. Und das höfische Ambiente des Schlosstheaters im Neuen Palais von Sanssouci unterstützt nur den Eindruck, dass sich an manch anbiedernden Verhaltensweisen nicht viel geändert hat.

Im Original heißt die Komödie „Der Menschenfeind oder der verliebte Melancholiker“ und verweist so schon im Titel auf ein Dilemma des kompromisslosen Helden. Alceste nämlich liebt die kokette Célimène, die sich in der oberflächlichen Gesellschaft durchaus wohl fühlt und gern umschwärmen lässt. Als Alceste ihr anbietet, mit ihm aufs Land zu ziehen, fort von Scheinheiligkeit und Selbstsucht, lehnt sie ab. In der Rolle der Célimène ist Muriel Baumeister zu sehen. Pierre Besson mimt den Misanthropen. Antje Horn-Conrad

Schlosstheater, So 3.2., 19 Uhr (Premiere), Mi 6.2., 19 Uhr, 29/19/10 €

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