Zeitung Heute : Schaut auf Berlin

Der Tagesspiegel

VON TAG ZU TAG

Von Moritz Schuller

Vor einigen Tagen meldete die „New York Times“ das Neueste aus Europa: Der deutsche Kanzler zieht wegen seiner Haare vor Gericht. Peinlich, dass sich das bis Amerika rumgesprochen hat. Damit müssen wir leben. Morgen wird die Times aber wahrscheinlich etwas berichten, und das ist nicht peinlich, sondern ein Skandal: In der Berliner U-Bahn ist einer Frau ihr Davidstern vom Hals gerissen worden. Wegschauen ist sicher auch in der New Yorker U-Bahn eine Lieblingsbeschäftigung. Und womöglich werden auch dort Juden angegriffen. Doch Deutschland, daran erinnert uns die „New York Times“ gern, ist anders: Wegschauen bei Gewalt gegen Juden ist hier ein Tabu. Und muss es auch bleiben.

Das darf nie wieder passieren, hieß es in der Vergangenheit so oft. Heute sagen dieselben, das dürfe nicht passieren – und meinen damit das Vorgehen der Israelis. Deutsche Ermahnungen an Israel sind in Deutschland längst kein Tabu mehr. Eines dürfen wir dabei nicht vergessen: die eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Die Welt blickt in Berlin nämlich nicht nur auf das Haar des Kanzlers, sondern auch auf die Halsketten in der U-Bahn. Zu Recht.

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