Zeitung Heute : Schecks und Schande (Kommentar)

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Als im Februar dieses Jahres die finanzielle Beteiligung der Deutschen Bank am Bau von Auschwitz publik wurde, reagierte der Aktienmarkt gelassen. Ist eine solche Betrachtungsweise, die den kalten Gradmesser des "shareholder value" mit der Frage moralischer Verantwortung vermengt, zynisch? Die Frage ist müßig, denn die Diskussion um die Entschädigungszahlungen deutscher Unternehmen an NS-Opfer ist auch eine Diskussion um das Image der betroffenen Firmen - und damit von wirtschaftlichem Wert. Die IG Farben, deren Name symbolhaft für die Beteiligung am Holocaust steht, erregt naturgemäß Aufmerksamkeit. Kurzsichtige Aktionäre, die bei einer tumultartigen Versammlung um ihr Geld bangen, eine Firma, die sich eigentlich "in Abwicklung" befindet, aber auf absehbare Zeit weiter besteht - dramatischer als in anderen Fällen zeigt das Beispiel "IG Farben i. A." die Schwierigkeit, historische Schuld und konkrete Entschädigung in irgendein Verhältnis zu setzen. Der Schrecken, der sich mit der IG Farben verbindet, ist eine Sache. Die andere Sache ist das gesamte Ausmaß wirtschaftlicher Verstrickung deutscher Firmen mit dem NS-Regime - der nationalsozialistische Alltag sozusagen. Von Zwangsarbeit profitiert haben viele. Entsprechend großzügig sollte nun auch die Entschädigung ausfallen.

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