Zeitung Heute : Scheitert Neubeck am Parteibuch?

Der Tagesspiegel

Die Entscheidung über einen neuen Polizeipräsidenten steht noch immer aus. Inzwischen hatten alle fünf Bewerber ihr Vorstellungsgespräch bei Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Nach Tagesspiegel-Informationen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Polizeipräsidenten Gerd Neubeck (50) und dessen früherem Bonner Kollegen Michael Kniesel (56). Wobei Kniesel aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft einen leichten Vorsprung hat. Neubeck haftet politisch offenbar immer noch an, vom ehemaligen CDU-Innensenator Eckart Werthebach geholt worden zu sein.

Die Fraktionen der SPD-PDS-Koalition wollen sich die Entscheidung offenbar nicht aus der Hand nehmen lassen: „Damals (1992) bei Saberschinsky haben die beiden Fraktionsvorsitzenden Landowsky und Staffelt selbstherrlich entschieden. Was dabei herauskam, haben wir gesehen“, hieß es bei den Sozialdemokraten. Man wolle sich beide Bewerber noch einmal ansehen. Ein Termin steht bisher allerdings noch aus.

Einig wie selten sind sich Gewerkschaften, Polizeiführung und Basis über ihren Wunschkandidaten: Gerd Neubeck. Der ehemalige Oberstaatsanwalt aus Nürnberg hat seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren mit seiner ruhigen, abwägenden Art die Sympathien aller gewonnen. Zugute kam ihm dabei vor allem in der Amtszeit des cholerisch aufbrausenden Saberschinsky, dass er seinen Mitarbeitern zuhörte, ihre Probleme und Sorgen ernst nahm und auch Tipps und Ratschläge entgegen nahm. Bei den Gewerkschaften hat er den Ruf, ein harter, aber fairer Verhandlungspartner zu sein.

Mit Neubeck, der seit dem Ausscheiden Saberschinskys im Oktober 2001 die Behörde leitet, laufe es sehr gut, heißt es intern. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sähe eine Entscheidung gegen Neubeck als Versagen der Politik an. Mit dessen Wahl zum Behördenleiter könne die Stelle des Vizepräsidenten wegfallen und die politische Führung beweisen, dass ihr es mit Verwaltungsreform und Straffung der Organisation ernst ist. weso

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