Zeitung Heute : Scheuern bis zur Selbsterlösung

REIMZEIT Marcus Jeroch spielt Friedhelm Kändlers Monolog „Ich und mein Anderes“.

eNTe

Sein artistisches Handwerk lernte Marcus Jeroch in der Kreuzberger „Etage“ – um alsbald Varietégeschichte zu schreiben. Gemeinsam mit Freunden gründete er das experimentierfreudige Scheinbar-Varieté und engagierte sich im „Rock-Zirkus Gosh“. 1992 definierte er das Genre völlig neu, als er im „Chamäleon“ seine erste Soloshow „Wortheater“ auf die Bretter brachte. Damit hob er das „Literarieté“ aus der Taufe: die Verbindung von Jonglageelementen mit intelligent-komischen Texten von Daniil Charms, Ernst Jandl und vor allem Friedhelm Kändler. Dieser eigenwillige Dichter aus Hannover empfiehlt sich der lesenden Welt als „Wowoet“: „Wowo ist die Frage auf die Antwort des Dada.“ Was den rezitierenden Jongleur Jeroch so faszinierte, dass er zu einem der führenden Kändler-Interpreten wurde. Zunehmend auf die Wurf- und Fanggegenstände seiner Zunft verzichtend, bewegten sich seine Shows immer deutlicher in Richtung inszenierter Vortragskunst. Als totales Monodram spielt er nun „Ich und mein Anderes“ – eine anspruchsvoll wortwitzige Kändleriade um zwanghaft „bescheuertes“ Scheuern des Bodens und philosophische Mutmaßungen über die Natur des Egos. Als „Anderes“ begleitet Schlagzeuger Schröder diese Hirnjonglage, deren Anfang nebenstehend zu lesen ist. eNTe

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!