Zeitung Heute : Schizophrenie: Medizin: Verdächtige Viren

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Bis heute forschen Wissenschaftler nach den Verursachern der Schizophrenie. Möglicherweise spielen beim Entstehen des Leidens auch Viren eine Rolle. Ein Team der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore entdeckte "Fußspuren" eines Virus im Hirnwasser Schizophrener. Dabei handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Erreger, sondern um ein endogenes Retrovirus.

Das sind Viren, die ihre Erbsubstanz vermutlich schon vor Millionen Jahren in unser Erbgut eingeschleust haben und als "blinde Passagiere" durch die Generationen mitreisen. Meist sind solche endogenen Retroviren bedeutungslos, weil sie im Lauf der Zeit aufgrund genetischer Veränderungen "verstummt" sind. Die Erbsubstanz wird nicht mehr für den Bau neuer Viren verwendet.

Nicht so bei Schizophrenen. Robert Yolken von der Johns-Hopkins-Universität fand Zeichen von Virus-Aktivität bei 29 Prozent akut erkrankter Schizophrener. Bei Gesunden liegt dieser Prozentsatz deutlich niedriger. Warum das so ist, ist ungeklärt. "Wir hoffen, dass wir das Virus eines Tages daran hindern können, aktiv zu werden", sagt Yolken. "Vielleicht ist das eine Möglichkeit, künftig Schizophrenie zu behandeln."

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