Zeitung Heute : Schlagende Verbindung

Im Film „66/67“ hat Christoph Bach fünf gute Kumpels. Sie schlagen sich und ihre Liebe gilt demselben Fußballklub. Und im wahren Leben? Hier überprüft Bach fünf Thesen zum Thema Männerfreundschaft

MÄNNER GEHEN HÄRTER

MITEINANDER UM ALS FRAUEN

Stimmt, jedenfalls gibt es unter einigen meiner Freunde so eine liebevolle Diss-Kultur: Manchmal beschimpft man sich, aber mit Sympathie und Kennerschaft. Man zieht sich auf, rempelt verbal. Das macht Spaß, man ist mittendrin im Sprüche-Pogo. Die darin verpackte Kritik ist immer aufschlussreiches Futter für den Heimweg. Ein schönes Beispiel sind die Reaktionen auf meine Auftritte in einem Film. Das ist hochinteressant! Denn Freunde kennen einen gut und sind ein anspruchsvolles Publikum. Wie wird man von ihnen wahrgenommen? Glauben sie einem die Figur? Oder sagen sie: Das bist du nicht!

MÄNNER REDEN NICHT ÜBER GEFÜHLE

Offenheit in einer Freundschaft ist wichtig, auch für Männer. Nur: Das braucht nach meiner Erfahrung ein wenig Zeit – und die Gewissheit, dass es albern oder sogar ein wenig feige wäre, nicht über seine Gefühle zu sprechen. Zumal wenn es einem schlecht geht. Auf die Figuren in „66/67“ trifft die These aber größtenteils schon zu, obwohl man immer wieder sieht, wie sie versuchen, über Gefühle zu sprechen. In dem Film geht es um eine Art Kameradschaft, wie sie vielleicht typisch männlich ist. Wichtig ist das gemeinsame Erlebnis Fußball, mit starkem Bezug zur „dritten Halbzeit“ – die verabredete Keilerei nach dem Spiel. Erzählt wird von den beinahe archaischen Werten eines Männerbundes: Treue, bedingungslose Loyalität zueinander. Mir persönlich ist diese Art von Freundschaft fremd. Ich bin nicht so der Cliquenmensch. Ich versuche eher sehr unterschiedliche Freundschaften, die auch nicht alle miteinander zusammenhängen, so gut wie möglich zu pflegen.

MÄNNERFREUNDSCHAFTEN

BRAUCHEN SPORT

Nicht unbedingt. Oder zumindest nicht für mich. Dabei habe ich bis zu meinem 16. Lebensjahr Sport im Verein getrieben: die wunderschönen Nischensportarten Tischtennis und Volleyball. Aus dem Fußballgeschäft hab ich mich bereits früher, nach dem zweiten Eigentor, zurückgezogen. In der Volleyballmannschaft war ich der Steller, das heißt, ich habe die Angreifer mit Bällen versorgt, die dann mit ihrer Performance am Netz und ihren Schmetterbällen definitiv den höheren Schauwert zu verbuchen hatten. Ich glaube, bei mir hat einfach das Vereinsdenken nicht lange funktioniert. Mich interessierten eher Bücher und die Theater-AG an der Schule. Auch Musik, ich war fasziniert von Jugendkulturen wie Punk und Hardcore, vor allem von der Aufforderung darin, seine eigenen Sachen zu machen und auch ein Scheitern zuzulassen. Sport war mir immer zu sehr auf Sieg getrimmt. Es ist ja geradezu eine Wissenschaft, eine psychische und physische Stärke auszubilden, und das ist natürlich auch faszinierend.

MÄNNER BRAUCHEN DISTANZ

Ein bisschen Distanz finde ich grundsätzlich gut und sogar wichtig für eine Freundschaft. Vielleicht ist das bei mir aber auch mit dem Älterwerden verbunden und mit der manchmal so pathetischen wie irritierenden Erkenntnis: Am Ende ist der Mensch allein. Es ist schön, sich nach einer kleinen Auszeit wiederzusehen, zu überprüfen, ob man sich noch versteht und was sich in der Zwischenzeit verändert hat.

FRAUEN ZERSTÖREN EINE

MÄNNERFREUNDSCHAFT

Na ja, das kommt sehr darauf an. Wenn das bedeuten soll, eine Liebesbeziehung gefährdet eine Männerfreundschaft, weil sie wenig neben sich duldet, dann habe ich immer wieder gegenteilige Erfahrungen gemacht. Ich erlebe sogar, dass ich eingebunden werde in die Beziehungen meiner Freunde, also die Freundinnen ganz gut kennenlerne. Der Horror ist, finde ich, wenn man sich in einer Paarbeziehung total verschließt – und dann beide jeweils mit ihrem besten Freund oder der besten Freundin alleine zusammensitzen und über die Unvereinbarkeit von Frauen und Männern reden. Was ich einem Freund nicht verzeihen könnte, wäre Ausspannerei. Und sollte ich selbst mal einem Freund die Frau ausspannen, dann könnte ich sehr gut verstehen, wenn der mir dann die Freundschaft kündigen würde. Mehr als das: Würde er es nicht tun, wäre ich mit seiner Loyalität sogar irgendwie überfordert. Ist mir beides aber zum Glück noch nicht passiert.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz.

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