Zeitung Heute : Schlagfertig

Das Golf-Gelände in Spandau diente früher als Kohlelager. Heute residiert hier der Golf Club Gatow. Manchmal begeben sich auch Hertha-Spieler auf den Rasen. Aber einmal in der Woche gehört das Grün den Damen

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Von Annette Kögel

Golferinnen sind selten Singles. „Mein Partner ist der Platz“, sagt Brigitte Kanzow. Doch lieber als gegen ihr eigenes Handicap spielt die 49-Jährige aus Lankwitz einmal in der Woche gegen Bekannte und Freundinnen. Dienstags gilt auf Golfsportanlagen weltweit: Ladys first. Frauentag – auch auf dem Gelände vom Berliner Golf Club Gatow e.V. in Spandau.

Wenn Damen golfen, ist das kein Spaziergang. Rasch das Wägelchen aus dem Auto geholt, Flaschen eingepackt, den Sonnenschirm angegurtet, und los geht’s strammen Schrittes zum Abschlag. Erst dem Ball eine Flugstunde gegeben, dann den kleinen Weißen eingeputtet. Sage keiner, Frauen nehmen ihr Hobby weniger ernst als männliche Kollegen. Manche Damen haben noch nicht einmal Zeit, Fragen zu beantworten. „Keine Auskunft. Hier geht es um Millionen“, sagt eine. Um Millionen? „Naja, um die Ehre.“

Wer zu den 708 Mitgliedern des einst 1969 noch von den Alliierten ins Leben gerufenen Clubs gehört, darf indes nicht knapp bei Kasse sein. Eine einjährige Schnuppermitgliedschaft kostet 1800 Euro, ein ordentliches Mitglied zahlt 1600 Euro Aufnahmegebühr und zugleich eine Investitionsumlage in Höhe von 5100 Euro. Der Jahresbeitrag summiert sich dann auf 1125 Euro. Doch auch den Frauen ist es das Privileg, nur zwanzig Minuten vom Stadtzentrum auf neu angelegtem Grün zu golfen, wert.

„Ich habe schon viel Sport getrieben im Leben, aber nichts hat mir so viel Spaß gemacht wie Golf“, meint Brigitte Kanzow aus Lankwitz. Konzentrieren. Abschalten. Abspannen. „Und überall auf der Welt nette Leute kennenlernen.“ Wer Platzreife erlangt hat, darf auf Anlagen in der ganzen Welt putten. Frau Kanzow hat schon in Rio de Janeiro und in Thailand abgeschlagen. Doch auch hier draußen, am früheren Flughafengelände der Royal Air Force der britischen Streitkräfte, spielen die Damen auf gepflegtem Grün. „Das sieht hier aus aus wie von Nolde gemalt“, sagt eine Spielerin. Wer sich den Club-Eintritt sparen will, kann das Geschehen in der Golflandschaft von einem Höhenwanderweg aus in der Ferne verfolgen.

Dort, wo jetzt in einer Senke verschlagene Bälle in den malerischen See plumpsen, sollte zu Mauerzeiten noch Kohle für die blockadegeprüften Berliner gelagert werden. Der einstige, 1990 umbenannte „British Golf Club Gatow“ hat das Gelände nun je zur Hälfte vom Bund gepachtet und gekauft. Dort, wo der Heizstoff liegen sollte, wiegen sich jetzt Schilf und Grashalme im Wind. Aus dem 9-Loch-Platz ist inzwischen eine 18-Bahnen-Anlage geworden. Die ersten Abschläge können auf der Driving Range mit 120 Plätzen geübt werden, ein Sechsloch-Kurzbahnplatz dient als Übungsareal für Anfänger.

Hier treffen sich oft auch auch Brigitte Kanzows Clubkameradinnen Irene Lackmann und Doris Handke. Golfen Frauen eigentlich anders als Männer? Brigitte Kanzow: „Männer hauen mehr drauf.“ Bei ihren Schlägen ist oft dieses feine „Pling“ zu hören. Mitunter dröhnen auf der Anlage in Gatow aber auch Motoren. „Wir bauen einen Kinderspielplatz, damit wir auch für junge Familien mehr bieten“, sagt Jürgen Stotz, ehrenamtlicher Club-Präsident. Finanziert wird alles über Eigenmittel. Denn jeder Gatower Clubgolfer wird sogleich um ein Darlehen für den Verein gebeten. „Das ist für uns günstiger, als wenn wir zur Bank gehen“, sagt Stotz. Man muss aber nicht gleich Darlehen und Mitgliedsgebühren entrichten, wenn man Golfen ausprobieren möchte. Schnupperkurse kosten 10 Euro, Kinder und Jugendliche entrichten 50 Euro für ein ganzes Jahr. Greenfee-Tageskarten kosten 40 beziehungsweise 55 Euro am Wochenende. Die Gatower Golfer machen sich nicht mit den alternativen Crossgolfern gemein, die gern auf Müllhalden und Abrissgrundstücken schlagen. „Dennoch geht es bei uns familiärer und rustikaler zu als beim zweiten großen Berliner Verein, dem Golfclub Wannsee“, sagt Geschäftsführer Stotz. Auch in Gatow treten Diplomaten, Politiker, Unternehmer oder Sportler wie Hertha-Spieler gegeneinander an.

Doch Dienstag ist Frauentag, auch für Helga Dirk, 63, aus Charlottenburg, und Gegnerin Jutta Hertel: „Beim Golfen tue ich was für Kopf und Körper.“ 10 000 Golfer beiderlei Geschlechts gibt es in Berlin und Brandenburg insgesamt. Nach dem Willen von Club-Geschäftsführer Marco Paeke könnten es mehr werden. Einer bundesweiten Studie zufolge gibt es rund 400 000 Mitglieder in 620 Golfclubs – und „ein Potenzial von 4 Millionen Interessenten deutschlandweit“. Die Gatower Clubmitglieder muss niemand mehr überzeugen. Da organisieren Unternehmer aus der Chefetage Vereinsangelegenheiten an ihrem freien Tag. Andere Manager akquirieren Werbeplakate im Kollegenkreis – und wieder ist etwas im Handumdrehen finanziert. Eine Klientel, von dem beispielweise Berlins Schwimmvereine nur träumen können. Da pflanzen Clubangehörige Bäume und setzen Weinreben. Oder kümmern sich um die Uferschwalben, die es sich am Rande der Anlage im Erdwall eingerichtet haben. In Löchern, wie es sich auf einem Golfplatz gehört.

Frau Kanzow genießt seit dem Vereinseintritt vor zwölf Jahren Natur, Sport – und die Golfer-Lebensart. „Ich finde diese britische Etikette toll.“ Bis auf eine Ausnahme. Wie hieß es nicht gleich an einigen Plätzen auf der Insel? „No dogs, no ladies.“

Der Berliner Golf Club Gatow e.V. lädt am 10. und 11. August zum offenen Golfturnier für jedermann – Damen und Herren. Startgebühr pro Gast: 50 Euro – inklusive Abendessen. Am 11. August findet auch ein Infoabend für Interessenten statt. Telefonische Anmeldung und weitere Informationen unter Telefon 365 0006. Infos im Internet: www.golfclubgatow.de . Anfahrt über Ritterfelddamm, Sparnecker Weg zum Kladower Damm 182-288.

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