Zeitung Heute : Schlechter Kurs

In Deutschland haben Unternehmenschefs keinen guten Ruf – im Gegensatz zu ihren Kollegen im Ausland

Dagmar Rosenfeld

In Düsseldorf hat die Neuauflage des Ackermann-Prozesses wegen des Verdachts der Untreue begonnen. Welches Bild haben die Deutschen von ihren Topmanagern?


Jetzt, da der Mannesmann-Prozess, in dem es um Untreue und Abfindungen in Millionenhöhe geht, neu aufgerollt wird, ist es wieder überall zu sehen – das Foto, auf dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor Beginn des ersten Verfahrens in die Kameras grinst, die Finger der rechten Hand zum Victoryzeichen gespreizt. Das war im Januar 2004, doch noch heute gilt dieses Bild als Symbol für Arroganz und Dreistigkeit von Spitzenmanagern. Eine Berufsgruppe, die hierzulande keinen guten Ruf hat. 82 Prozent der Deutschen geben an, dass sie kein Vertrauen in die Führungskräfte der Wirtschaft haben. Unbeliebter sind in Deutschland nur noch Politiker. Das ist das Ergebnis einer Studie der GfK Custom Research Worldwide, die in 19 Ländern durchgeführt wurde. Laut dieser Studie ist in keinem anderen Staat das Misstrauen gegen Unternehmenschefs so groß wie in Deutschland. In Spanien, Ungarn, Rumänien und Schweden sprachen über die Hälfte der Befragten den Managern ihr Vertrauen aus. Und selbst in Russland haben die Firmenvorstände ein höheres Ansehen als in Deutschland.

Ebenso findet eine überwältigende Mehrheit hierzulande, dass Leistung und Bezahlung der Topmanager in keinem Verhältnis stehen. Laut einer Emnid-Umfrage sind 88 Prozent der Meinung, die Gehälter der Spitzenmanager seien „gemessen an der Leistung, die sie erbringen, in den meisten Fällen viel zu hoch“. Richtig ist zumindest, dass die Vorstandsmitglieder der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland im europäischen Vergleich gut verdienen – sie liegen mittlerweile im oberen Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Konzernvorstände verdienten 2005 in Deutschland im Schnitt 1,7 Millionen Euro, die Vorstandsvorsitzenden drei Millionen Euro. Nicht so üppig fielen die Gehälter in anderen Ländern aus, zum Beispiel in den Niederlanden. Dort erhielten die Vorstandschefs durchschnittlich 1,7 Millionen Euro – beinahe 50 Prozent weniger als ihre deutschen Kollegen. Und in Großbritannien liegt das Jahreseinkommen eines einfachen Vorstandsmitglieds bei 1,4 Millionen Euro. Am besten allerdings verdienen die Manager immer noch in den USA, dort liegt das durchschnittliche Gehalt bei 2,5 Millionen Euro.

Ein Grund, warum die Deutschen ihre Manager so negativ beurteilen, sind wohl auch die schlechten Nachrichten der vergangenen Monate: Die Telekom will zehntausende Stellen abbauen, Volkswagen lässt seine Mitarbeiter bei gleichem Lohn länger arbeiten, Airbus könnte seine deutschen Werke ins Ausland verlagern oder die Entlassungen bei der ehemaligen Siemens-Handysparte, die von BenQ übernommen worden war. Das alles sind Entwicklungen, die sicherlich dem öffentlichen Ansehen der Konzernchefs schaden, ihren Gehältern aber nutzen könnten. Zumindest legt das eine Untersuchung der Universität von Arkansas nahe. Dort untersuchten amerikanische Wissenschaftler die Vorstandsgehälter von 229 Unternehmen, die zwischen 1993 und 1999 sehr viele Mitarbeiter entlassen haben. Das Ergebnis: Insbesondere in dem Jahr nach dem Stellenabbau erhielten die Manager einen üppigen Bonus. Durchschnittlich war das Einkommen der Führungskräfte, die umfangreich rationalisiert haben, 22,8 Prozent höher als das der Kollegen, die weniger entlassungsfreudig waren. Das ist aber noch nicht die ganze Wahrheit: Nicht nur die Manager profitierten von Stellenkürzungen, sondern auch die Aktionäre. Die Kurse stiegen bereits unmittelbar nach der Ankündigung eines Arbeitsplatzabbaus deutlich.

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