Zeitung Heute : Schleichwerbung

Wie ein Neu-Berliner diese Stadt erleben kann

Till Hein

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Sie langweilen sich bei der Arbeit? Kein Problem. Ziehen Sie zu uns in die „textetage“! Hier ist immer was los. Da kommt garantiert kein Gedanke ans Arbeiten auf. Entweder hat jemand Geburtstag: Dann kaufen wir Geschenke, backen Kuchen und singen. Oder wir gehen online und reden wochenlang über die optimale Gestaltung von www.textetage.com. Ich persönlich halte diese Internetauftritte nach wie vor für überflüssig, aber es waren wunderschöne Sitzungen.

Vor meinem Umzug nach Berlin hatte ich mich erst bei der Konkurrenz in Prenzlauer Berg beworben. Die sind auch in Ordnung, aber mehr so die Supertopchecker-Fraktion. „Bist Du denn mit Leib und Seele freier Journalist?“, haben sie mich zum Beispiel gefragt. Seltsam. Normalerweise muss man bei solchen Gesprächen immer erzählen, ob man lieber „ein Lamm in der Herde“ oder ein „Adler auf dem Horst“ wäre. Aber: „mit Leib und Seele?“, da war ich baff. „Den Russland-Korrespondenten für die ,Zeit‘ würde ich zur Not auch in Festanstellung machen“, musste ich verschämt zugeben. Das fanden die wahrscheinlich spießig.

Hier in der textetage sind hingegen alle sehr tolerant, wie es sich für eingefleischte Kreuzberger gehört. Vor ein paar Tagen habe ich mir etwa den neuen Film mit Ben Stiller angesehen und sie haben mich trotzdem nicht raus geschmissen und in die Schweiz zurück geschickt. Von so einem Betriebsklima können die meisten Menschen nur träumen.

In der textetage sind Journalisten, Übersetzerinnen und Lektoren tätig. Wir ergänzen uns prima, denn jeder hat seine Kernkompetenzen. Walter zum Beispiel: Fernreisen und Krankheitsdiagnostik, Manfredo: Kochen und Steuererklärung, Verena: Deutsches Theater loben, Allison: Proteste und Kundgebungen, und Nadja: Popkultur. Ich bin Experte für den Basler Zolli und Marcus Experte für alles. Daher ist er gewissermaßen unser Betriebsrat.

Unser aktuelles Projekt sind Visitenkarten. Ob man so etwas wirklich braucht? Für mich wurden bei einem Münchner Heftl einmal welche gedruckt. Ich war stolz drauf. Zwei Wochen später hat mir der Chefredakteur anvertraut, man werde aus Kostengründen auf meine Dienste verzichten. Trotzdem konnten mich die textetage-Kollegen überzeugen: Wer eine Website hat, braucht Visitenkarten. Seither basteln wir fieberhaft am Design und diskutieren Inhalte. Schreiben wir zum Beispiel „tel.“ oder „fon“? Fast so aufregend wie in der Zeitungsredaktion.

Bürogemeinschaften wie die textetage sind ein Win-win-Modell: Die armen Zeitungen und Buchverlage können Dank unserer Hilfe Fixkosten sparen und lediglich einzelne Texte ankaufen oder Bücher in Auftrag geben, wenn sie gerade Lust dazu haben. Und wir bleiben von ihren hausinternen Machtkämpfen und Intrigen verschont. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und noch eine frohe Botschaft: Am 1. Mai wird nach langer Zeit wieder mal ein Arbeitsplatz bei uns frei. Gesucht wird ein Zimmergenosse, der 1. wenig telefoniert und 2. nicht fürs Feuilleton arbeitet. Mann oder Frau: egal. Lamm oder Adler: auch egal. Aber mit Leib und Seele freischaffend sollten Sie schon sein!

Weitere Infos unter: www.textetage.com

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

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