Zeitung Heute : Schloßstraße mit neuem Gesicht

Was Geschäftsleute vorhaben, um die größte Einkaufsmeile im Südwesten noch attraktiver zu machen

Cay Dobberke

Private Investoren verändern die Schloßstraße und den Walther-Schreiber-Platz. Doch auch die Bezirksämter von Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg wollen die Einkaufsgegend attraktiver gestalten. In die Schloßstraße will Steglitz-Zehlendorf im Jahr 2008 zunächst 200000 Euro investieren. Insgesamt werden dort voraussichtlich etwa eine Million Euro benötigt. Es geht um breitere Gehwege, mehr Plätze zum Verweilen und weniger Durchgangsverkehr.

Die BVV hat außerdem Busspuren in der Schloßstraße gefordert. Für den übrigen Verkehr bliebe so nur eine Spur pro Richtung. Der Bezirk kann darüber aber nicht allein entscheiden. Laut Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) wurde die Idee der Verkehrslenkungsbehörde des Senats zur Prüfung zugeleitet.

Der Durchgangsverkehr soll mit Verkehrsschildern stärker auf die Stadtautobahn gelenkt werden – schließlich verläuft die so genannte Westtangente parallel zur Schloßstraße. Ein weiteres Problem ist der Parksuchverkehr: Viele Kunden der Geschäfte suchen lange nach Parkplätzen in der Schloßstraße und Umgebung, statt die Parkhäuser zu nutzen. Abhilfe schaffen soll ein Parkleitsystem, das die Zahl freier Stellplätze in den Parkhäusern anzeigt. Der Bauherr der Schlossgalerie Steglitz, die eine Tiefgarage erhält, hat bereits Standorte für elektronische Hinweistafeln beantragt.

Ob der mit Asbest belastete Steglitzer Kreisel saniert oder abgerissen wird, steht noch nicht fest. Das Hochhaus ist der Hauptsitz des Bezirksamts, darf im jetzigen Zustand aber nur noch bis Ende 2007 genutzt werden. Vom Bezirk beauftragte Gutachter meinen, dass für eine Sanierung eine vorübergehende Räumung nötig wäre. Die Asbest-Entfernung im laufenden Betrieb hält dagegen die Firma Becker & Kries für möglich, der die Sockelgeschosse unterm Hochhausturm gehören. Die Entscheidung liegt beim Senat und dem Berliner Abgeordnetenhaus.

Einige Veränderungen stehen am Walther-Schreiber-Platz bevor. Weil dort die Bezirksgrenze verläuft, haben Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg die Planung abgestimmt. Die Bushaltestellen und Taxistände in der Straßenmitte vor dem Forum Steglitz sollen an die Fahrbahnränder verlegt werden, ein Teil der Buslinien hält künftig in der Bundesallee/Ecke Schloßstraße. Baustadtrat Stäglin verhandelt mit dem Eigentümer des Forums Steglitz über eine finanzielle Beteiligung. Die Investoren des nebenan geplanten Schloss-Straßen-Centers haben einen Zuschuss in Millionenhöhe angekündigt. Das neue Einkaufszentrum bekommt einen eigenen Zugang zum U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz.

Fraglich ist allerdings, ob der Bau des 80 Millionen Euro teuren Schloss-Straßen-Centers wie geplant in diesem Sommer beginnen kann. Der Abriss des einstigen Hertie-Kaufhauses hat gerade begonnen, für den 17. Juni luden die Investoren Tenkhoff Properties und AMB Generali zum symbolischen „ersten Spatenstich“ ein. Trotzdem wird die Baugenehmigung möglicherweise erst im Herbst erteilt. Die Stadtentwicklungsdezernentin von Tempelhof-Schöneberg, Elisabeth Ziemer (Grüne), weist auf das laufende Bebauungsplanverfahren hin: Die Bürgerbeteiligung stehe noch aus. Nach der öffentlichen Auslegung der Pläne müsse der Bezirk die Einwände von Anwohnern prüfen.

Schon jetzt ist absehbar, dass es viele Protestschreiben geben wird. Rund 160 Anwohner haben nämlich eine Bürgerinitiative gegen befürchtete Verkehrsbelastungen gegründet. Sie wehren sich gegen den oberirdisch geplanten Bau des Center-Parkhauses und dagegen, dass die Zufahrt in der Bornstraße und die Ausfahrt in der Lefèvrestraße liegen soll. Diese Nebenstraßen müssten auch den Lieferverkehr verkraften. Die Investoren argumentieren mit Gutachten, nach denen sich Lärm und Luftverschmutzung in zumutbaren Grenzen halten werden.

Im benachbarten Forum Steglitz hat eine Modernisierung begonnen: Die britische Immobiliengruppe Hammerson investiert bis Juni 2006 rund 40 Millionen Euro in das 35 Jahre alte Gebäude. Im fünften Stock kommt ein Ärztezentrum hinzu.

Auch das Ebbinghaus-Gebäude am Walther-Schreiber-Platz wird vielleicht zum Ärztehaus. Nach der Pleite der Modehandlung Ebbinghaus verkauft dort nun übergangsweise ein Modernes Antiquariat. Die neue Nutzungsidee präsentierte Hausbesitzerin Carola Mösch („Lichthaus Mösch“) vor kurzem im Tempelhof-Schöneberger Wirtschaftsausschuss. Ärzte aus der Umgebung hätten Interesse gezeigt, sagte sie. Noch liegt dem Bezirk allerdings kein entsprechender Bauantrag vor.

Das Peek & Cloppenburg-Modekaufhaus in der Schloßstraße verliert seinen Nachbarn und bereitet deshalb ebenfalls Umbauten vor. Bisher verkauft im Nachbarhaus die zur selben Firmengruppe gehörende Herrenbekleidungskette Anson’s. 2006 zieht sie aber in einen Neubau neben der Schlossgalerie um. Wie der alte Standort künftig genutzt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Für die nebeneinander gelegenen Warenhäuser von Karstadt und Wertheim gibt es laut einem Firmensprecher „keine aktuellen Umbaupläne“. Beide Häuser gehören dem Konzern Karstadt-Quelle. Das Bezirksamt nimmt an, dass die beiden Warenhäuser früher oder später unter einer der beiden Marken zusammengelegt werden. „Es ist wichtig, dass Karstadt den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst“, mahnt Baustadtrat Stäglin. Sonst drohe eine klare Dominanz der Einkaufszentren.

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