Zeitung Heute : Schluss mit Niedlich

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Von Kurt Sagatz

Vieles war früher besser. Zumindest in der Welt der Unterhaltungselektronik hört man diesen Satz selten, eventuell noch bei der vermutlich nie ganz beendeten Diskussion über die Vorteile von Vinyl-Schallplatten gegenüber CDs oder der gleichfalls lebhaften Debatte über die Vorzüge von Röhrenverstärkern gegenüber den Transistorgeräten. In einem Punkt hat diese Besser/Schlechter-Diskussion nun auch die Welt der Videospiele-Konsolen erreicht, denn Nintendo hat beim Übergang zwischen dem N64 zum GameCube zugleich Abschied vom Konzept der Cartridges als Datenträger genommen. Auf diesen kleinen grauen Einschubkassetten befanden sich bislang immer die Spiele, gut geschützt vor jugendlichem Ungestüm und allen Versuchen, davon Raubkopien herzustellen. Mit der Einführung des GameCube setzt nun auch Nintendo auf die Silberscheiben als Spielspeicher, wenn auch auf die deutlich kleineren Mini-CDs. Vor allem die einfachere Herstellung gab den Ausschlag.

So bedauerlich der Wechsel des Speichermediums ist – auch weil dadurch jede Chance, auf der neuen Konsole alte Spiele einzusetzen, verspielt wurde – so hat doch auch diese Änderung immerhin einen immensen Vorteil: Das offenere Format der CD ermöglicht immer mehr Herstellern von Spiele-Software, Titel entweder exklusiv für den GameCube zu schaffen oder aber bereits eingeführte Spiele für die PlayStation nun auch für die Nintendo-Konsole zu portieren.

Der Vorteil für die Besitzer der GameCube-Konsole liegt auf der Hand: Die Chancen, dass erfolgreiche Spiele auch für die Nintendo-Konsole – die mit einem Preis von 199 Euro erheblich billiger ist als die Konkurrenzprodukten von Sony und Microsoft - verfügbar sein werden, waren nie zuvor so gut.

Eines der besten Beispiele dafür ist „Crazy Taxi“ von Acclaim, das bereits auf der PS2 und der Dreamcast lief, und nun die GameCube-Spieler erfreut. Auch wenn die Grafik des nicht mehr ganz frischen Spiels die Möglichkeiten der modernen Konsole bei weitem nicht ausreizt, stimmt der Spielspaß weiterhin. Als einer von vier Fahrern gilt es, seine Fahrgäste möglichst unterhaltsam durch die fiktive US-Stadt zu chauffieren. Straßenverkehrsregeln gelten dabei als lästige Nebensache, selbst der Umstand, dass auch Cabrio-Taxis nicht unter Wasser fahren können, stört nicht weiter. Nur wenn man es arg zu bunt treibt, springt der Fahrgast aus dem Auto, und das Fahrgeld samt möglichen Trinkgeldern ist futsch. Zu Schaden kommt jedenfalls niemand, weder Fahrgäste noch Passanten, denn trotz aller Crashs ist der Spaß von harmloser Natur.

Eine etwas harmlosere Gangart hätte man sich auch für „Burnout“, eine weitere PS2-Adaption von Acclaim für den GameCube gewünscht. Hier werden die Rennen im ganz normalen Straßenverkehr gefahren, spektakuläre Unfälle bleiben dabei nicht aus. Der Fahrer muss hier entscheiden, ob ihm eher eine besonders hohe Zahl in der Schadensbilanz zum Ende des Spiels wichtig ist oder eine gute Platzierung des eigenen Fahrzeugs. Wer sich für die zweite Variante entscheidet, hat deutlich mehr von dem Spiel, denn weder Meisterschaft noch Einzelrennen oder Zeitrennen lassen sich bei zu vielen Crashs gewinnen. In jedem Fall richtet sich dieser Titel eher an die etwas älteren Spieler über 16 Jahren, die mit der rasanten Rennsimulation auf ihre Kosten kommen dürften.

Mit Spielen wie diesen oder auch dem Trucker-Titel „Eighteen Wheeler" beendet Nintendo das gängige Vorurteil, nur Konsolen für Kids herstellen zu können. Gleichwohl beruhte ein Großteil des Erfolges darauf, Spiele zu kreieren, die man bedenkenlos seinen Kindern schenken konnte.

Mit dem bereits an dieser Stelle vorgestellten Spiel „Luigis Mansion“, bei dem Luigi seinen großen Bruder Mario in einem Spukschloss suchen muss, wird diese Tradition fortgesetzt. Und weil auch Spielekonsolen von ihren typischen Charakteren leben, wurden im neuen Titel „Super Smash Bros.“ die vielen Figuren zusammengefügt, für die Nintendo in den letzten Jahren stand. Hier trifft Mario auf Donkey Kong, Prinzessin Peach auf Pikachu und Bowser auf Yoshi. Sie alle wurden mit speziellen Fähigkeiten ausgestattet, um sich im Zweikampf zu messen, quasi als Mischung aus Super Mario und Pokémon Stadium.

Auf alte Bekannte trifft man auch an anderer, unerwarteter Stelle. Sonic, der quirlige Igel, bislang das Aushängeschild für die Konsolenkonkurrenz von Sega, muss nun im GameCube für die Rettung der Welt kämpfen. Nachdem Sega die Produktion eigener Hardware eingestellt hat, entwickelt das Unternehmen nun unter anderem für die Nintendo-Plattform. Wiederum trifft Sonic dabei auf Dr. Eggman, jenen genialen Erfinder und Oberbösewicht.

Ebenfalls kein Unbekannter ist Batman, den Ubi Soft mit dem Titel „Batman Vengeance“ für den GameCube in Szene gesetzt hat. Ganze Scharen von Dieben, Schlägern und Schurken gilt es zu besiegen. Der richtige Umgang mit den verschiedenen Hilfsmitteln wie Batmobil, Batanker oder Bat-Bumerang erfordert höchste Konzentration. Allerdings zeigt sich auch bei dieser Adaption eines PS2-Spiels, dass erst die nächste Game-Generation die grafischen und akustischen Möglichkeiten des GameCube richtig nutzen wird. Die Vielzahl und die Vielfalt der schon jetzt vorhandenen Titel macht aber auch deutlich, dass der Spiel-Würfel auch ohne graue Speicher-Kassetten ein würdiger Nachfolger des N64 ist.

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