Zeitung Heute : Schmerz, Wehmut, Trauer – der Abschied von der WM

Das letzte Gerangel um die azurblauen Designerstücke

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Heute heißt es Abschied nehmen. Von der WM und erst recht von unserem WM-Quartier, das uns so treu durch die aufreibenden Spiele dieser Weltmeisterschaft begleitete. Das stoisch Partien wie Ukraine gegen Tunesien ertrug oder geduldig jeden einzelnen Stargast empfing und sich an den Heerscharen der Besucher nicht störte. Ein einziges Mal noch öffnen sich die Pforten, werden grimmig dreinblickende Türsteher jede Tasche am Eingang minutiös durchsuchen, die hereinströmenden Massen ein letztes Mal hektisch binnen Sekundenbruchteilen die existentielle Entscheidung treffen müssen: rein oder raus? Ein letztes Mal werden die eleganten Flatscreens im Garten von ihrem noch eleganteren Regenschutz befreit, dazu frisches Fassbier ausgeschenkt und lecker Bratwurst gegrillt.

Ein finales Mal werden Fußballfans rangeln um die Sitzgelegenheiten. Wird es wieder mal die harte Bierbank oder endlich der Komfortgenuss in den azurblau gehaltenen Designerstücken mit Bierflaschenhalterung? Vielleicht könnten wir die Situation besser ertragen, wenn heute „unsere“ Jungs ran müssten. Aber die haben ja gestern gespielt, im kleinen Finale, und heute sind eben die Großen dran. Wer wird das Lido als Weltmeister verlassen? Der große Zidane mit seinen Blauen, die Erinnerungen wachrufen an den Juli ’98, als Frankreich die WM im eigenen Land gewann? Oder holen sich die Italiener ihren vierten Titel und überflügeln Deutschland in der ewigen Liste? Das fachkundige Publikum wird sich sein Team gewiss aussuchen, aber was ist schon der Sieg der favorisierten Mannschaft gegen den Schmerz, das letzte Mal im geliebten WM-Quartier gewesen zu sein. Das Lido wird nun seine Pforten für andere Veranstaltungen öffnen.

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