Zeitung Heute : Schneiden, halten, legen

Mit der Rosengreifschere unterwegs

Lena Hach

Ein typisches Merkmal der deutschen Sprache ist es, dass sich in ihr viele zusammengesetzte Nomen finden, Sprachwissenschaftler sprechen auch von Komposita: Sonnenblume, Tautropfen, Baumkrone. Es gibt viele solcher Beispiele. Doch längst nicht alle kommen so poetisch daher. Manchmal nimmt die Namensgebung auch gewöhnungsbedürftigere Formen an.

So finden sich in der Gartenabteilung großer Baumärkte beispielsweise auch so genannte Rosengreifscheren. Das Modell des Herstellers Fiskars, der neben gängigen Büroartikeln auch auf Gartenprodukte spezialisiert ist, wurde zur Einführung auf dem deutschen Markt mit dem iF produkt design award ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um den Preis eines der ältesten Designwettbewerbe weltweit, der jährlich in Hannover vergeben wird. Prämiert wird die herausragende Gestaltung und nicht etwa der Name eines Produkts.

So verrät die Bezeichnung Rosengreifschere sofort, worum es geht: Mit der Spezialschere können Rosengewächse gleichzeitig geschnitten und gegriffen werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Weder fallen die Zweige beim Schnitt herunter, noch müssen sie umständlich mit der freien Hand festgehalten werden. Denn bekanntermaßen ist keine Rose ohne Dornen, weshalb ein beherzter Griff in den Rosenstock meist mit ungewünschten Folgen einhergeht. Vor dem Überreichen einer einzelnen Rose an die oder den Angebeteten sollte man diese jedoch zwischen den Klingen der Schere hervorholen. Ansonsten verliert die romantische Geste an Symbolkraft.

Im Übrigen lässt sich auch abgestorbenes Holz, das aus Büschen geschnitten wird, mit dem schnittigen Helfer leicht entsorgen. Da das Schnittgut festgehalten wird, braucht man sich nicht erst danach zu bücken und spätestens wenn wieder Barfußlaufen angesagt ist, freut man sich, dass sich keine dornigen Zweige im Gras verstecken.

Das Schneiden von Rosen ist eine Kunst. Die Schnitte müssen sorgfältig gesetzt werden, die Klinge darf nicht rupfen, sondern muss sauber schneiden. Der Selbstversuch in einer Gartenkolonie beweist, dass es die Amboss-Schere, bei der die Edelstahlklinge direkt auf ein Gegenstück trifft, auch wunderbar mit alten und hartnäckigen Rosenstöcken aufnehmen kann. Dabei ist die knappe 15 cm lange Schere überraschend leicht und liegt dank großer Griffe angenehm in der Hand. Um den Gärtner und/oder Rosenkavalier vor Verletzungen zu schützen, ist die Klinge großzügig mit Kunststoff abgedeckt, weshalb man die Schere zunächst auch für ein kinderfreundliches Exemplar zum Basteln halten kann.

Die Rosengreifschere ist sicher kein Muss. Es handelt sich eher um ein verspieltes Accessoire, das einen zumindest beim ersten Schnitt staunen lässt. Dann nämlich, wenn man merkt, dass die Blüte ja tatsächlich – wie von Zauberhand gehalten – nicht zu Boden geht. Übrigens finden sich im Angebot des Herstellers noch weitere Scheren mit ebenso phantasievollen Namen. So gibt es außer einer Schneidgiraffe zum Erreichen entfernter Äste beispielsweise auch einen Scherenstorch, der Heckenschneiden in aufrechter Haltung möglich macht. Lena Hach

Auf der Internationalen Grünen Woche stellen sich viele Hersteller mit Geräten, Maschinen und Ausstattungen für Landwirtschaft und Gartenbau sowie Sämereien mit ihren Produkten vor. Die Rosengreifschere von Fiskars gibt es ab circa sieben Euro. Rosen(greif)scheren haben alle großen Gartengerätehersteller im Angebot.

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