Zeitung Heute : Schnelle Datenhighways für die Hauptstadt

BJÖRN LORENZ

Egal ob man auf Drucker, Rechner oder den Aufbau von Webseiten wartet: Schnell ist schnell zu langsam.Was für die IT-Branche der Wachstumsbrunnen schlechthin ist, treibt so manchen Anwender in die Verzweiflung.Doch schon bald könnte die Internet-Technik zu einem ersten Befreiungsschlag ausholen.Denn ADSL verspricht traumhafte Übertragungsraten, die ISDN um das 125fache und gängige 33.6K-Modems gar um den Faktor 245 übertreffen.Berlin / Brandenburg zählt zu den ersten Regionen mit neuer Auffahrt zur Datenautobahn.

Als vor vielen Jahren die Telefonleitungen verlegt wurden, ging man in Unwissenheit kommender technischer Entwicklungen geradezu verschwenderisch mit den Ressourcen um.Von der Bandbreite durchschnittlicher Kupferkabel, die theoretisch bis 1,1 MHz reicht, wird heute lediglich die Zone bis 4 kHz genutzt.Ebenso wie Telefone und Faxgeräte bewegen sich auch Modems in diesem Frequenzbereich.Hierfür gibt es gute Gründe: einerseits können die Vermittlungsstellen dadurch mehr einzelne Gespräche bearbeiten, zum anderen birgt die volle Auslastung der Leitung technische Risiken.So ist der Informationsverlust bei Übertragung hoher Frequenzen besonders stark.

Dennoch setzt ADSL - ursprünglich für Video-On-Demand entwickelt - auf die volle Bandbreite.Hierzu wird die Leitung in drei Frequenzbereiche gegliedert.Eine Sektion für Telefon und Fax, eine für die Datenübertragung vom Anwender zum Provider (Upstream) und eine Rückleitung vom Provider zum Anwender (Downstream).Da im Normalfall mehr Daten vom Internet zum Anwender fließen als umgekehrt, ist die Übertragungsrate in diese Richtung um ein vielfaches höher.Der ungleichen Bandbreite verdankt das Verfahren auch seinen Namen: Asymetric Digital Subscriber Line.Im Ergebnis wird die für heutige Verhältnisse fast schon surreal wirkende Geschwindigkeit von bis zu 8 MBit/s beim Datenempfang und 768 KBit/s beim Datenversand erreicht.

In einem breit angelegten Feldversuch testet die Deutsche Telekom ADSL seit Juni 1998 im Raum Köln / Bonn, Düsseldorf und Dortmund - mit positivem Ergebnis.Künftig sollen Privathaushalte bundesweit mit einer Übertragungsrate von 1,5 MBit/s Downstream und 128 KBit/s Upstream surfen, Geschäftskunden gar mit 8 MBit/s Downstream und 768 KBit/s Upstream.Die offizielle Bekanntgabe der Gebühren wird voraussichtlich erst zur diesjährigen CeBIT erfolgen, doch ist davon auszugehen daß man an die Erfahrungen aus dem Feldversuch anknüpfen wird.Da sind Private mit einer monatlichen Grundgebühr von 48 Mark und Verbindungskosten von zehn Pfennigen je Minute dabei.Hinzu kommen die Kosten für den Telefonanschluß und T-Online.Unternehmen müssen für die wesentlich schnellere Leitung monatlich 650 - 1 100 Mark berappen.Das übertragene Datenvolumen wird zusätzlich berechnet.Nicht gerade ein Schnäppchen, aber immer noch billiger als eine Standleitung.Hoffnung auf Preissenkung besteht zumindest kurzfristig nicht, denn bei ADSL hält die Telekom derzeit das Monopol.Andere Provider üben sich angesichts technischer Ungereimten und der unklaren Kostensituation vornehm in Zurückhaltung.

Ab April soll ADSL für Geschäftskunden zunächst in 18 Regionen angeboten werden.Im August folgt dann der Anschluß für Privathaushalte.Berlin/Brandenburg ist bereits bei dieser ersten Runde mit von der Partie.Bis Ende des Jahres soll das Netz laut Telekom 43 Regionen umfassen.Dabei rechnet man mit circa 100 000 Teilnehmern.Wie realistisch die Prognosen sind, bleibt abzuwarten.Allein mit lukrativen Geschäftskunden und Internetfreaks lassen sich die Zahlen kaum erreichen.Den Durchschnittssurfer dürfte der Preis indes wenig reizen, kommt der Geschwindigkeitszuwachs doch vor allem kommerziellen Interessen wie Videokonferenzen, Telearbeit oder Information-On-Demand zugute.

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