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Sonja Pohlmann wünscht sich weniger Rauschgoldengel auf dem Teppich

Es fehlt etwas an diesem Freitagabend im Tempodrom. Auf dem Laufsteg sind weiße, schwarze und asiatische Models zu sehen, auch Mario Galla, der eine Beinprothese trägt und Eveline Hall, mit ihren 65 Jahren das wohl älteste Model der Fashion Week – bei keiner anderen Show gibt es eine solche Mischung an Typen auf dem Catwalk wie bei Michael Michalsky.

Der Berliner Designer schafft es, die Vielfalt, für die die Hauptstadt auch steht, auf den Laufsteg zu holen. Doch was ihm auf der Bühne gelingt, geht auf dem roten Teppich daneben. Hier gehört Jenny Elvers-Elbertzhagen, die mit blonden Löckchen und Glitzerpumps aussieht wie ein Rauschgoldengel auf Sommerurlaub, zu den meist gefeierten Promis – neben „Topmodel“-Gewinnerin Lena Gercke und „DSDS“-Juror Patrick Nuo.

Nicht nur an diesem Abend, sondern bei der Fashion Week insgesamt sind die Gästelisten wenig durchmischt. Während in New York mal ein Salman Rushdie in der ersten Reihe sitzt, ist es in Berlin eine Ausnahme, Künstler von außerhalb der Modeszene bei den Schauen anzutreffen. Dabei hat die Stadt viele spannende Schriftsteller, Maler und Musiker zu bieten. Sie für die Berliner Modewoche zu begeistern, würde der Fashion Week gut tun. Eine gute Party lebt von ihren Gästen.

Immerhin hat es James Goldstein zum ersten Mal nach Berlin geschafft. Der US-Millionär ist Architektur- und Modefan, ihm gehört die „Goldstein Residence“ in Beverly Hills, die zahlreiche Hochglanzmagazine für ihre Shootings buchen. In London, New York und Paris sitzt Goldstein in der ersten Reihe, ordert bei Designern wie Balmain auch schon mal eine extra für ihn angefertigte Lederjacke im Wert eines Kleinwagens. In Berlin wurde der Mann, der seine grauen Haare schulterlang trägt und sein Alter nicht verraten will, aber jenseits der 70 sein dürfte, in den vergangenen Tagen von so manchen Partygästen zunächst skeptisch beäugt. Doch Goldstein, der im Gegensatz zu vielen C-Promis kein großes Aufheben um sich macht, fühlte sich trotzdem wohl. „Die Berliner Fashion Week ist sehr viel besser, als ich erwartet hätte“, sagte er am Freitag nach der Michalsky-Show. Er will im nächsten Sommer wiederkommen. Weitere spannende Gäste folgen ihm hoffentlich.

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