Zeitung Heute : Schnuppern gehen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Man hält es kaum für möglich: In Berlin haben mal wieder einige neue Party-Locations eröffnet. Entgegen aller Prognosen, trotz Rezession, und ohne einen großen, neuen Musiktrend. Die Berliner Club-Kultur steht im Herbst 2003 überraschend in voller Blüte. Saftig wie eine Frühlingswiese wirkt sie, mit neuen Blumen und Pflanzen. An diesem Wochenende sollten Sie ein bisschen schnuppern gehen.

Pflanze Nr.1 ist ein Bonsai: Die Lola Lounge gab es bereits vor zwei Jahren an einem Übergangsort am Potsdamer Platz. Jetzt hat man richtig investiert und in einem Kellergewölbe einen Club mit Restaurantbetrieb aufgemacht. Es gibt asiatisch-mediterranes Freistil-Food und der Champagner fließt reichlich. In den dezent ausgeleuchteten Sitzecken muss man sich nicht anbrüllen. Die House- und Techno-Beats kommen von DJs, die vor kurzem aus Frankfurt am Main oder München nach Berlin gezogen sind. Mit anderen Worten: Neu-Berliner. So wie der Rest des Publikums auch. An der Bar und auf der Tanzfläche trifft man Manager aus der Musikindustrie, Werber, junge Anwälte, einige Fernsehleute und Sekretärinnen. Ich werde dort in nächster Zeit wohl nicht Stammgast, aber: Die Lola Lounge hat eine unfassbar gutklingende Anlage, das Freistil-Food ist sehr lecker und der Barservice ist auf zack, was man in vielen anderen Clubs in Mitte nicht gerade häufig findet. Wenn Sie also Lust haben, in Mitte ausnahmsweise mal so auszugehen, wie man das aus Westdeutschland kennt, ohne dafür gleich nach Charlottenburg zu fahren, sollten Sie der Lola Lounge unbedingt einen Besuch abstatten.

Die Liza Lounge in der Pappelallee dagegen ist eine Sonnenblume. Noch eine Lounge, auch wenn sie in ihrer wiedergeborenen Version eher Liza Dancehall heißen müsste. Sie ist nämlich in eine ehemalige Billardhalle umgezogen, mit gepflegtem Holzfußboden und hohen Decken. Von dem alten Etablissement geblieben sind die charakteristischen, rechteckigen Schirm-Lampen und große Spiegel. Und auf einer Empore stehen noch einige Spieltische, auf denen man Kugeln herumschießen und von denen man auf die Tanzfläche hinunterblicken kann. Man trifft in der Liza Lounge viele bekannte Gesichter, mit denen man schon in den Neunzigern in Mitte und Prenzlauer Berg gefeiert hat: Leute, die etwas mit Kunst, Film und Theater zu tun haben, kinderlose Thirtysomethings und Partyveteranen. Im Gegensatz zur Lola Lounge, wo ab halb eins ein auf der Tanzfläche aufgespannter Raumteiler eingefahren wird und Platz macht für Tanzwillige, wird in der Liza Lounge früher getanzt. Es ist der Holzfußboden, der einen fast automatisch sofort loszappeln lässt. Die ersten Wochenenden nach der Eröffnung war es trotz der wirklich wunderschönen Räumlichkeiten allerdings nicht sehr voll. Vielleicht muss sich der Club erst einmal herumsprechen. Vielleicht kümmern sich die Macher auch noch um ein niveauvolleres DJ-Programm. Dann könnte die Liza Lounge so etwas wie der Club des Herbstes werden.

Lola Lounge, Rosa-Luxemburg-Straße 17, Mitte, Do-Sa, ab 20 Uhr. Liza Lounge, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, Freitag und Samstag ab 22 Uhr

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