Zeitung Heute : Schnuppern, lernen, schaffen

Vom Weltkonzern bis zum Handwerksbetrieb: Diese Unternehmen geben Mitarbeitern mehr als einen Job

Cornelia Wagner

Wöchentliche Weiterbildung

Die Firma Bad und Heizung Kreuz GmbH überzeugte in der Kategorie „Erhaltung und Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter“. Einmal in der Woche treffen alle Monteure zusammen und tauschen ihre neuesten Erfahrungen aus. Zusätzlich nehmen die Mitarbeiter regelmäßig an Schulungen der Bad und Heizungs-Gruppe und Seminaren der Hersteller teil. Die Monteure sind so ständig auf dem neuesten Stand der Technik. Sie haben umfassende Mitspracherechte bei der Projektplanung, übernehmen Verantwortung und treffen selbständige Entscheidungen. Wird ein Auftrag schneller erledigt als geplant, erhält der Mitarbeiter einen Bonus.

Chance trotz schlechter Schulnoten

In der Kategorie „Perspektive für Jugendliche“ wurden gleich zwei Unternehmen ausgezeichnet: die Geiger Fertigungstechnologie GmbH und die Bayer AG. Das oberfränkische Unternehmen Geiger ist einer der wichtigsten Ausbildungsbetriebe in der Region. Und dabei werden nicht nur Jugendliche mit den besten Schulzeugnissen eingestellt. „Wir gehen in die siebten und achten Klassen der Haupt- und Realschulen in unserer Umgebung und stellen die Ausbildungsberufe vor“, sagt Magdalini Schmauder, zuständig für die Ausbildung bei Geiger. Dazu gehören die Ausbildung zum Mechatroniker, Industriemechaniker oder Maschinen- und Anlageführer. „Die Jugendlichen erhalten die Möglichkeit, in den Ferien ein Schnupperpraktikum zu machen“, sagt Schmauder. „Wer sich hierbei bewährt und praktisches Geschick beweist, bekommt einen Ausbildungsplatz.“ Ausgebildet wird nur nach Bedarf. Von insgesamt 320 Mitarbeitern sind 30 Auszubildende. Gibt es Schwierigkeiten in der Berufsschule oder Praxis, wird zusätzlich gefördert. Auszubildende mit sehr guten Noten werden mit bis zu zehn Prozent mehr Gehalt belohnt.

Mit dem Programm „Starthilfe“ fördert der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Jugendliche mit mäßigem Schulabschluss. Diesen Jugendlichen wird eine Art Ausbildung zur Ausbildung angeboten. Die Teilnehmer durchlaufen ein Qualifizierungsprogramm an den fünf Bayer-Standorten. Dabei werden neben praktischen und theoretischen Kenntnissen auch soziale Kompetenzen vermittelt. „Durchschnittlich 85 Prozent der Jugendlichen werden anschließend als Auszubildende übernommen“, sagt Pressesprecher Günter Forneck. „Diese Quote zeigt, dass das Programm hilft, Jugendliche mit schlechten Startchancen in eine Ausbildung zu bringen.“

Langzeitarbeitslose zurück ins Berufsleben

Die Eurogate GmbH gewann in der Kategorie „Angebote für besondere Zielgruppen“ mit ihrem Engagement für Langzeitarbeitslose. Eurogate betreibt unter anderem einen Container-Terminal in Hamburg und Bremerhaven. Seit Mitte der Neunziger stellt Eurogate gezielt junge Langzeitarbeitslose ein, die meistens keine Berufserfahrung und Ausbildung haben. „Nach einer dreimonatigen Einstiegsqualifizierung, absolvieren die Mitarbeiter eine berufsbegleitende Ausbildung zum Hafenarbeiter“, sagt Heinz Brandt, Geschäftsführer der Eurogate-Gruppe. In den vergangenen sechs Jahren wurden so 1150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Noch bis Ende 2007 sollen 300 weitere Langzeitarbeitslose einen festen Arbeitsvertrag erhalten.

Einsatz für ältere und behinderte Menschen

In der Kategorie „Neue Chancen durch Zusammenarbeit und Kooperation“ bestach die Holz- und Dachbau GmbH Raddatz. Anfang 2005 gründete das Unternehmen gemeinsam mit 16 anderen Handwerksbetrieben unterschiedlicher Gewerke den Norddeutschen Handwerkerinnung. „Wir richten uns speziell an die Bedürfnisse von älteren und behinderten Menschen“, sagt Stefan Lorenz, Dachdeckermeister der Firma Raddatz. „Dabei sind alle Gewerke vereint, die benötigt werden, um ein Haus oder eine Wohnung barrierefrei umzubauen, damit die Menschen weiterhin in der gewohnten Umgebung wohnen bleiben können.“ So müssen zum Beispiel Türen verbreitert, Waschbecken oder Steckdosen niedriger angebracht werden. Von der Planung bis zur Durchführung der Umbauten steht dabei dem Kunden ein Ansprechpartner zur Verfügung, der alle Arbeiten unter den Mitgliedern koordiniert und vermittelt. „Dazu kommt auch noch die Beratung über Fördermittel“, sagt Lorenz. Allein die Firma Raddatz konnte durch den Handwerkerinnung fünf zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

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