Zeitung Heute : Schön, schlicht, wasserdicht Aus Schweden kommt der perfekte Regenmantel

Zeitlos. Mäntel von Stutterheim sind stilsicher, aber nicht modisch. Foto: promo
Zeitlos. Mäntel von Stutterheim sind stilsicher, aber nicht modisch. Foto: promo

Mode ist dynamisch. Ständig werden Ideen weiter gedacht und Variationen ausprobiert. Aber manchmal tritt einem ein Kleidungsstück entgegen, das wie ein Stoppschild im Fluss der Kreativität steht und zu sagen scheint: „Halt! Bei mir muss nichts neu interpretiert oder dem Zeitgeist angepasst werden. Ich bin, wie ich bin“. So entstehen Klassiker.

Zu diesen raren Exemplaren zählen die Regenmäntel der schwedischen Marke Stutterheim. Sie sind schlicht, funktional, von hoher handwerklicher Qualität und gleichermaßen traditionsbewusst wie modern. Wer sie einmal gesehen hat, fragt sich, warum es überhaupt noch andere Regenmäntel geben muss.

Der Mann, dem die Welt diesen Mantel verdankt, heißt Alexander Stutterheim. Er kommt nicht aus der Modebranche, und deren Konventionen sind ihm egal. Dass er mit seiner Minifirma Regenmäntel macht, ist Stutterheims Abneigung gegen moderne Funktionsbekleidung zu verdanken: „Ich will ja in der Stadt nicht herumlaufen wie ein Bergsteiger“. Und so nahm er den alten Regenmantel seines Großvaters, den er in einer Scheune gefunden hatte, und entwickelte ihn weiter.

Die getreue Reproduktion des historischen Vorbilds nach dem Manufaktum-Prinzip war nicht sein Ziel: Der Großvater war Fischer, und so sah auch sein Mantel aus. Er war weit, weil dicke Strickpullover darunter passen mussten, zweckmäßig und authentisch, aber nicht unbedingt urban. Stutterheim musste einiges verändern. Die Silhouette wurde schmaler, hinzu kamen Baumwollfutter und Kapuze. Das Resultat war eine Synthese aus altem Fischermantel und städtisch-moderner Eleganz, die auch in Modeboutiquen bestehen kann.

Im schwedischen Borås fertigen zwei Näherinnen die Mäntel in Ministückzahlen. Sie signieren und nummerieren jeden einzelnen. Daher ist das Repertoire überschaubar – es gibt den Urregenmantel in Schwarz, Weiß und Grün sowie ein Sondermodell, das Kumi Kawaji, ehemals Designer bei Yamamoto, entworfen hat. Ergänzungen kann sich Stutterheim durchaus vorstellen. Sie müssten aber seinem Anspruch genügen und ähnlich perfekt sein wie der bewährte Mantel.

Und sie müssen mit Regen zu tun haben. Denn Stutterheim liebt die Melancholie des schlechten Wetters – mit typisch skandinavischer Selbstironie: „Mein Ziel ist, dass die Leute den Regen schätzen lernen.“ Das nächste Projekt sind daher passenderweise die perfekten Gummistiefel.Jan Schröder

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