Zeitung Heute : Schön und gut

Guter Stil, gutes Gewissen: Mode von Vilde Svaner aus Weimar. Foto: Promo
Guter Stil, gutes Gewissen: Mode von Vilde Svaner aus Weimar. Foto: Promo

Kati Drescher und Nadine Valencic sind Überzeugungstäterinnen: Beide haben sich einem bewussten Lebensstil verschrieben. Ihre PR-Agentur Sieben & Siebzig vertritt ausschließlich Firmen aus Mode, Design und Lifestyle, die nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien produzieren. „Wir leisten uns den Luxus, nur Produkte zu vertreten, die wir mit unserem Gewissen vereinbaren können“, sagt Nadine Valencic. Daher prüfen sie potenzielle Klienten genau, bevor sie sie akzeptieren.

Diese rigorose Auslese ist im Ökosegment besonders wichtig. Nach wie vor kostet es Mühe, herauszufinden, welche Marken guten Gewissens getragen werden können und welche sich nur aus Imagegründen einen grünen Anschein geben. Dieses „Greenwashing“ ist unter umweltfreundlichen Herstellern und Händlern gefürchtet, denn es untergräbt das Vertrauen in die gesamte Branche. Daher kommt einer Agentur wie Sieben & Siebzig eine größere Bedeutung zu als einer konventionellen PR-Firma, denn sie funktioniert wie ein Gütesiegel. Die Kundinnen vertrauen darauf, dass bei den von ihr vertretenen Firmen ökologisch und ethisch alles in Ordnung ist. „Das ist ein Privileg, aber auch eine große Verantwortung“, sagt Nina Valencic.

Demnächst eröffnet die Agentur ihren eigenen Laden in der Almstadtstraße – den ersten „Eco Concept Store“ in Mitte, wie Valencic sagt. Dort werden die Produkte der Sieben&Siebzig-Firmen verkauft: Mode von Marken wie Vilde Svaner und Pyua, dazu Accessoires, Kosmetik und Lebensmittel. Der Laden soll nicht nur überzeugte Ökojüngerinnen anziehen. „Die würden sowieso kommen“, sagt Valencic. Zielgruppe ist die „supermoderne Mitte-Frau“. Die soll in den Laden kommen, weil ihr die Produkte gefallen, dann aber zum Nachdenken angeregt werden. Denn die beiden Macherinnen stehen zu ihren missionarischen Neigungen. Wichtig ist ihnen aber, mit den alten Klischees von Ökomode aufzuräumen.

Da sind auch sprachliche Tricks angebracht. Den Begriff „Eco“ benutzen sie ganz bewusst: So wollen sie sich vom wenig charmanten Ökobegriff abgrenzen. „Menschen lassen sich leicht manipulieren: Schreiben wir ’Eco’ statt ’Öko’ in den Betreff einer Mail, dann wird die von mehr Leuten geöffnet.“ Gerade Modeblogger und -magazine reagierten so. „Wenn denen ’Eco’ lieber ist, dann lassen wir es halt dabei“, sagt Valencic. So kam der Laden zu seinem englischen Namen. Sprachpuristen mag das nicht unbedingt gefallen. Aber in diesem Fall soll es ja der guten Sache dienen.Jan Schröder

Der „Eco Showroom“ eröffnet am 26. November in der Almstadtstraße 35 in Mitte. Infos unter www.ecoshowroom.de

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