Zeitung Heute : Schön und hart wie Diamant

Forscher züchten Kristalle für neue Brennstoffzellen

Fred Winter

Ein besonderes Geschenk für Berlin: Vor kurzem schwebte ein mannshohes Gerät in die obere Etage des ehrwürdigen Chemiegebäudes der TU, am Haken eines Krans, über die Balkonbrüstung im zweiten Stock hinweg. Die Laborfenster erwiesen sich als zu klein, deshalb nahmen die Techniker diesen Umweg. Im Innern des Gebäudes waren zuvor Stahlschienen verlegt worden, damit der einige Tonnen schwere Koloss nicht durch den Fußboden bricht. „Alle haben gezittert, ob das alte Gebäude diese Belastung aushält, aber es hat geklappt“, erzählt Martin Lerch, Professor für Chemie.

Knapp eine halbe Million Euro hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft investiert, um Berlin einen weltweit einzigartigen Schmelztiegel für seltene Kristalle zu spendieren. Mittlerweile hat sich der Koloss gut eingearbeitet, wurde die Technik angeschlossen, ausprobiert und optimiert.

Der High-Tech-Ofen erreicht in seinem Innern mehr als 3000 Grad Celsius. Damit wollen die Chemiker stickstoffhaltige Kristalle züchten, die fast so hart sind wie Diamanten. Bei solchen Temperaturen wird Stickstoff höchst aggressiv und verbindet sich sehr leicht mit Oxiden. Aus der Schmelze ziehen die Forscher dann fingergroße Einkristalle, die sich nach der Abkühlung detailliert analysieren lassen. „Das Ziel ist eine neuartige Brennstoffzelle, die aus Stickstoff und Wasserstoff das begehrte Ammoniak erzeugt“, erläutert Lerch. Während der „Langen Nacht der Wissenschaften“ wird das neue TU-Labor an der Straße des 17. Juni seine Pforten öffnen: Dann dürfen die Berliner ihren neuen Schatz bewundern.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben