Zeitung Heute : Schöne Aussichten

Stefan Jacobs

Das Dom-Aquarée ist fertig – mit Wohnungen, Büros, Hotel und viel Wasser. Aber ohne Nemo

Zugegeben: Die gestrige Eröffnung des Dom-Aquarées war nicht die erste. Aber die wahre. Nachdem schon die Ankunft der ersten Fische und Hotelgäste gefeiert wurde, ist nun der gesamte Komplex an der Karl-Liebknecht-Straße fertiggestellt. 500 Millionen Euro sind verbaut, drei viertel der Ladenflächen vermietet, und die Fische in dem riesigen Acrylzylinder im Hotelfoyer haben sich eingelebt. Am heutigen Mittwoch sind alle eingeladen zu feiern.

„City Quartier“ nennen die Investoren von der Deutschen Immobilienfonds AG (Difa) den von Architekt Sergei Tchoban entworfenen Komplex. Difa-Vorstand Frank Billand spricht von einer „24-Stunden-Immobilie“ mit Cafés und Restaurants, 427 Hotelzimmern sowie Büros und Wohnungen.

Die 68 bis 200 Quadratmeter großen Wohnungen werden nach Auskunft des Architekten für 17 Euro kalt pro Quadratmeter vermietet. Vier Namensschilder hängen bereits an den 75 Briefkästen. Vom Foyer geht es im gläsernen Aufzug zur Musterwohnung in die siebte Etage. Leise zischend schiebt sich die Balkontür zur Seite. Der Ausblick auf Spree, Dom und Museumsinsel ist grandios. Aus der Küche kann man die Besucherströme zwischen den Gebäudeteilen und einen kleinen Spielplatz auf der Terrasse im dritten Stock beobachten.

Diese schönen Aussichten sollten auch die Besucher einer Wellness-Landschaft unter dem gläsernen Hoteldach nebenan haben. Aber die öffentliche Edelsauna wurde auf halbem Wege aus dem Konzept entfernt, weil sich kein Betreiber fand. Der Platz unterm Glasdach ist noch frei.

Auch die 25 000 Quadratmeter Büros stehen noch leer. An der Gestaltung der Räume war auch das Fraunhofer-Institut beteiligt. Maßgabe war, dass Kreativität gefördert und Amts-Charme vermieden werden sollte. Ergebnis: Einzeln stehende Schreibtische wechseln sich mit verglasten Bürokästen sowie offenen Bar- und Sitzecken ab. Einige Räume blicken nach innen ins Atrium, wo frischer Rasen unterm Glasdach grünt und Wasser eine Wand herunterrauscht. Nur auf den inspirierenden Blick ins Aquarium müssen die Büromieter verzichten: Der 25 Meter hohe Zylinder ist nur von den Hotelzimmern aus zu sehen. Dort können die Gäste vor dem Einschlafen Fische zählen. Allerdings: Nemo werden sie nicht finden. Er wurde kurzfristig von der Bewohnerliste gestrichen, weil der „Findet Nemo“-Boom schnell vorbei war. „Aber einige Dories haben wir“, tröstet die Sprecherin von Radisson-SAS.

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