Zeitung Heute : Schöne Dinge fürs Wohlgefühl

Vom Bikini bis zum Seiden-Waschlappen: Bei „Strandbad“ gibt es alles für das Bad – sowohl für drinnen als auch draußen

Nora Sobich

„Einen probiere ich noch!“ Die junge Frau mit dem weißen Schlapphut verschwindet in der Umkleidekabine. „Viel Glück“, meint Marina Vassmer, Geschäftsführerin von „Strandbad“ und erzählt, dass es alles andere als einfach sei, gute Badeanzüge und Bikinis zu finden. Die meisten würden zwicken und kneifen. Auch das Anprobieren sei für die Kunden eher verunsichernd, wenn sie so kreideweiß und ohne Strand- und Urlaubsstimmung vor dem Spiegel stünden.

Bademoden – und zwar solche, die Unterwäschefirmen produzieren und die deswegen meist einen besseren Schnitt haben – gehören neben Seifen, Badelatschen, Bademänteln, Handtüchern, Pyjamas, Duschvorhängen und Kosmetika zum ausgesuchten und ausgefallenen Sortiment von „Strandbad“. Das exklusive Geschäft für Badekultur hat vor sieben Jahren in der Uhlandstraße eröffnet, im vergangenen Jahr die zweite Filiale am Kollwitzplatz aufgemacht und sich jetzt mit einem weiteren Standbein vergrößert: Bäderbau.

Es ist eine wahre Freude, in den deckenhohen Regalen des mit polnischen Marmor gefliesten Geschäfts am Kollwitzplatz zu stöbern. Selbst nach einer halben Stunde meint man noch nicht alles entdeckt zu haben. Hinter einer kleinen Seifenschale aus recycelten Autoreifen taucht plötzlich ein schwarzer, seidener Handschuh auf. Der zarte Profi-Waschlappen wird von Bademeistern in orientalischen Dampfbädern benutzt. „Danach mussten wir lange suchen, bis wir schließlich einen französischen Lieferanten gefunden haben, der die Sachen aus Syrien importiert“, erzählt Vassmer. Von der französisch-syrischen Firma Tadé stammen auch die wie gute Weine gelagerten Seifen aus Aleppo. Sie sehen wie alte Speckwürfel aus, sind aber mit ihrem hohen Fettanteil besonders hautverträglich.

Als Marina Vassmer, die eigentlich Medizin studiert hat, sich 1996 selbstständig machte, hatte sie noch gedacht, dass sie sich auf ihren guten Geschmack und das übliche Messeangebot verlassen könnte. Doch wer sich durchsetzen will, braucht ein augenfälliges und individuelles Angebot, muss Beziehungen zu ungewöhnlichen Lieferanten, kleinen flippigen oder traditionsreichen Firmen, Designern oder Modeschöpfern knüpfen. „Uns sind schöne Materialien, Handwerkstraditionen und gute Qualität wichtig“, sagt Vassmer: „Wir haben uns irgendwann auch darauf geeinigt, keine Rumsteherchen zu haben, sondern nur Sachen, die man auch benutzen kann. Und wenn sie weg sind, dann sind sie eben weg.“

Von der österreichischen Firma Leitner, einem seit 1853 bestehenden Familienunternehmen, stammen die wunderschönen Leinenhandtücher: entweder farbig gemustert oder in Waffel-Piquet. Eine andere Besonderheit aus Leinen kommt aus Litauen. Das Saunautensil fasst sich kratzig wie Wildschweinborsten an. „Viele lieben die robusten Handtücher und trocknen sich täglich mit ihnen ab“, erzählt Vassmer. „Ein tolles Männergeschenk.“ Ein Unternehmen mit Geschichte ist auch die Firma Feiler, manchem noch bekannt aus Kindertagen: der Waschlappen mit der Marienkäfer-Bordüre. Die Firma arbeitet mit einem in Europa einmaligen Webstuhl, der eine Textilstruktur ermöglicht, die an eine Mischung aus Gobelinstickerei und tantigem Oldfashionlook erinnert. Das Ergebnis ist wunderbar elegant. Die von Feiler als Kulturbeutel gedachten Taschen werden inzwischen trendig durch die Straßen getragen.

Auf der Suche nach besonderen Dingen sind Vassmer und ihre Geschäftspartnerin Sylvia Rottenberger auch in Berlin und Umland fündig geworden. Eine kräftig duftende, mit rot-weiß gepunkteten Papierbanderole beschürzte Seife namens „Zimt-Zicke“ stammt von der Berliner Seifenmacherin Xenia Trost. Die Seifen sind mittlerweile so erfolgreich, dass sich die Seifenmacherin mit dem Label Tausendundeineseife in den Paulinenhöfen in Berlin-Mitte selbstständig machen konnte. Abenteuerlich sind die so genannten Leschis, die junge Berliner Rapper produzieren. Die schlappigen Elefanten aus Flies, die im Regal neben den Kinderbadeanzügen mit den integrierten Schwimmringen liegen, sind mit Weizenspreu gefüllt. Man kann die Tierchen in die Mikrowelle stecken und anschließend als Wärmekissen benutzen. Die meisten der Badeaccessoires kommen nach wie vor aber aus Italien. Bei den Handtüchern liegt Amerika vorn. Mit 650 Gramm Baumwolle auf den Quadratmeter sind die Abtrockner fast kleine Teppiche. Zum Vergleich: die hierzulande üblichen, eher fadenscheinigen Handtücher haben 500 bis 550 Gramm pro Quadratmeter.

Marina Vassmer, der man ihre Freude am Geschäft und dem Kontakt mit den Kunden anmerken kann, nennt es ein Wohlgefühl, das mit den richtigen Dingen im Badezimmer entstehe. In der neuen, rund 90 Quadratmeter großen Filiale am Kollwitzplatz werden vor allem Geschenke gekauft. So wie die Geschäftsführerin zu fast jedem ihrer Produkte eine Geschichte oder Raffinesse erzählen kann, so weiß sie auch bestens, für welchen Anlass sich welches Produkt eignet: die Wärmekissen zur Taufe, die Bademäntel nach wie vor zu Weihnachten, die schönen Pyjamas mit den alten Schäfermotiven zum Geburtstag, die Spaßseifen mit „Good Luck“-Aufdruck zur Hochzeit. Und wer keinen zu beschenken hat, der beschenkt sich einfach selbst – frei nach dem Motto: Tu dir auch mal etwas Gutes.

Auf die Idee, jetzt auch Bäderbau anzubieten, kamen Vassmer und ihre Geschäftspartnerin Sylvia Rottenberger wegen des Interesses der Kunden nach mehr Individualität in den Nasszellen. Aber auch die gute Beziehung zu ihrem Nachbarn, dem Küchengeschäft „Coledampf’s“, war entscheidend. Wie „Strandbad“ hat das noble Küchengeschäft sowohl in der Uhlandstraße als auch am Kollwitzplatz seine zwei Filialen in Berlin. Geplant ist nun, nicht nur bei der Bestellung von Papiertüten zusammenzuarbeiten, sondern auch bei der Planung, Konzeption und Ausführung von Küchen und Bädern. Beim Bäderbau kann die Strandbad-GmbH mit inzwischen zwei Beschäftigen vom Wellness-Trend profitieren: das Bad ist mittlerweile zum Entspannungs- und Relaxraum geworden, es ist nicht mehr nur der schmale Schlauch zum Zähneputzen, sondern ein Ort, der gesehen werden soll und sich auch sehen lassen kann.

„Unsere Klientel sind nicht so sehr Leute, die so klassische Sachen wie Phillipe Starck wollen, sondern eher Individualisten mit mittelgroßem Geldbeutel“, sagt Vassmer: „Menschen, die ihr Bad natürlich haben wollen.“

Strandbad. Uhlandstraße 54 - 55 (Wilmersdorf), Telefon 88 39 100. Wörther Straße 12 (Prenzlauer Berg), Telefon: 70 72 79 22. Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr. Sonnabend 10 bis 16 Uhr.

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