Zeitung Heute : Schöne Elegie

Filmstadt Venedig – Venedig im Film

Babette Kaiserkern

Venedig ist Musikmetropole, Kunstzentrum, Filmstadt, Traumstadt schlechthin. Dass die Faszination der Lagunenstadt bis heute besteht, zeigen nicht bloß die Touristenströme, sondern auch zahlreiche Filme, die seit der Entstehung der „siebten Kunst“ in, um und über Venedig gedreht wurden. Passend zum Schwerpunkt der Musikfestspiele bietet das Filmmuseum Potsdam eine Venezianische Filmnacht an.

Zielgruppe sind Venedigfans und Filmfreunde aller Altersstufen und Interessengebiete. Den Anfang macht „Herr der Diebe“, ein Abenteuerfilm für die ganze Familie nach dem Bestseller-Roman von Cornelia Funke. Es folgt ein experimenteller Dokumentarfilm von Wolfgang Ettlich und Hans Albrecht Luznat, „Venedig – als hätten wir geträumt“. An einem Junimorgen im Jahr 2000 in einer einzigen Einstellung gedreht, zeigt er das „Alltagsgesicht der Traumstadt“. Ohne Brüche und Schnitte gleitet die Kamera durch Kanäle, Gassen, Brücken, Plätze und begegnet dabei vielen Menschen, die zur Stadt der Lagunen gehören.

Liebhaber des Stummfilms kommen bei „Eine Venezianische Nacht“ von Max Reinhardt auf die Kosten. Der 1913 an den Originalschauplätzen gedrehte Film ist eine Art filmischer Commedia dell’ arte und ein groteskes Schauermärchen. Mit seinen innovativen Außenaufnahmen, etwa von der Lagune im Mondlicht, gehört dieser Film zur Avantgarde seiner Zeit. Namhafte Schauspieler des Deutschen Theaters lassen den Film zu einem „Kabinettstück Reinhardt´scher Regiekunst“ werden.

Der bekannteste Venezianer des 18. Jahrhunderts, Giacomo Casanova, steht im Zentrum von Federico Fellinis gleichnamigen Film aus dem Jahr 1976. Das ausschließlich in den römischen Cinecittà-Studios gedrehte opulente Filmopus zeichnet ein sehr spezielles Bild des großen Verführers. Fellini zeigt ihn als tragikomischen Helden in einer artifiziellen, hermetisch verschlossenen Masken- und Kulissenwelt – und huldigt damit auch seiner Geburtstadt als Ort der Maskeraden, der Melancholie und Morbidität. Auch Luchino Viscontis Meisterwerk „Tod in Venedig“ nach Thomas Mann mit der Musik von Gustav Mahler ist ein „Hohelied“ auf die schöne Elegie. Babette Kaiserkern

Filmmuseum, Nikolaisaal,

Freundschaftsinsel, Freitag,

20. Juni, ab 16 Uhr

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