Zeitung Heute : Schöneberger Sachsendamm: Im Dornröschenschlaf

Harald Olkus

Von den ursprünglich geplanten zwei Bürobauten am Ende der Autobahn wurde nur eines verwirklicht. Die seit Jahren schon geplante Aufwertung der "Linse" zwischen den S-Bahnhöfen Papestraße und Schöneberg kommt eher schleppend voran. Das Gewerbegebiet an der Alboinstraße wird von kaum jemandem wahrgenommen. So lässt sich in etwa der Entwicklungsstand rund um den Sachsendamm in Schöneberg beschreiben - er ist verhalten.

Auch von längst angekündigten Vorhaben, wie dem Abriss des "Prälaten" in der Hauptstraße, ist noch nichts zu sehen. Im Gegenteil. Der ehemalige Tanzpalast verfällt zusehends. Nahezu alle Scheiben sind eingeschlagen, die auf den Balkonen wuchernden Birken haben mittlerweile schon eine stattliche Größe erreicht, rostige Metallteile hängen herab, der Putz bröckelt. An dem maroden Eindruck ändern auch die drei Fahnen des Projektentwicklers nichts, auf denen das neue Projekt angekündigt wird. Nach einem Konzept der I.T.C. Immobilien Team Consulting GmbH, die in Hamburg ein Einkaufszentrum betreibt, will die Strabag-Tochter SF-Bau dort ein orientalisches Kultur-, Erlebnis- und Handelszentrum namens "Orienta" errichten.

Die I.T.C. hatte den Abriss des "Prälaten" schon zum Ende des vergangenen Jahres angekündigt, nachdem der Bezirk eine Hürde für das Projekt aus dem Weg geräumt hatte. Das Gebäude wurde auf Drängen der Projektentwickler aus der Denkmalliste gestrichen, da sich die Erhaltung des historischen "Wappensaals" mit den Berliner Stadtwappen und des "Marmor-Kronen-Bankettsaals" nicht so recht mit dem orientalischen Charakter des Vorhabens vereinbaren ließ. Doch der seit 13 Jahren leer stehende "Prälat" bröckelt immer noch vor sich hin.

Das Problem ist die Finanzierung. "Ausländische Investoren" hätten von dem Projekt Abstand genommen, sagt die Pressesprecherin der I.T.C., Verena Herford. Jetzt sei man auf der Suche nach inländischen Investoren. Mit entsprechenden Interessenten würden bereits Gespräche geführt. Am ursprünglichen Konzept habe sich außer einigen "Optimierungen" aber nichts geändert. Das geplante Messezentrum bleibt, der "Food Bazar" und die Etage mit orientalischen Handwerksprodukten ebenfalls. Für das "Hamam" mit Wellness-Center unterm Dach habe man bereits einen Betreiber gefunden. Der Vorvermietungsstand belaufe sich auf nahezu 50 Prozent, ein gutes Ergebnis, wie Verena Herford meint. Die künftigen Mieter seien hellauf begeistert von dem Projekt. So lange die Finanzierung noch nicht gesichert sei, könne man sich auf einen Termin für einen Baustart aber noch nicht festlegen, sagt die Pressesprecherin.

Ebenfalls noch offen ist der Baustart auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerks (RAW) am Sachsendamm. Die Hamburger Böge Beteiligungsgesellschaft (Böag) will die denkmalgeschützten Werkstatthallen sanieren und zum Bau- und Möbelmarkt ausbauen. Doch im Unterschied zum "Orienta"-Projekt hier sind schon fast 100 Prozent der Hallenflächen vorvermietet. Auf mehr als 20 000 Quadratmetern wird die Bauhaus-Kette eine Filiale eröffnen, den größten Teil der Restfläche mietet ein Möbelhändler, der sich auf mediterrane Massivholzmöbel spezialisiert hat. In Umbau und Sanierung der von Franz Heinrich Schwechten, dem Architekten des Anhalter Bahnhofs, 1897 entworfenen Hallen und der Kesselschmiede will die Böag 80 Millionen Mark stecken.

Damit ist aber erst ein Teil des insgesamt 140 000 Quadratmeter großen Areals mit einer Nutzung belegt. Auf einem anderen Flächenabschnitt soll eine Art Sporterlebniswelt entstehen: Wellness, Kletterwände, eine Teststrecke für Rollerblades und verschiedene "Indoor"-Sportarten sollen den Schwerpunkt der Nutzung bilden. Auch Dienstleister, genehmigungsfähiger Handel und Entertainment seien denkbar, meint die Böag. Bei der Sepa Projekt- und Entwicklungsgesellschaft glaubt man durchaus an eine positive Entwicklung der Gegend rund um den Sachsendamm.

Das Gebiet schreie geradezu nach einer Bebauung, sagt Sepa-Geschäftsführer Norbert Peter. Deshalb will der Projektentwickler auf einer Dreiecksfläche vor dem Backsteingebäude der Telekom an der Ringstraße drei Gebäude errichten. Dort, wo jetzt noch zwei Tankstellen und eine Waschstraße stehen, will die Sepa Handelsflächen, ein Hotel und ein Bürogebäude bauen. Das geplante Bürohaus auf der Ecke Schöneberger / Ringbahnstraße werde sich an der Höhe des Backsteingebäudes der Telekom orientieren, die beiden anderen Bauten sollen viergeschossig werden. Nach Diskussionen mit dem Bezirksamt habe man sich auf mehrere Sichtachsen durch das Gelände geeinigt, damit auch weiterhin Blickbeziehungen auf das historische Postgebäude möglich sind. Die Zimmerzahl des geplanten Budget-Hotels stehen noch nicht fest. Die Einzelhandelsfläche werde aber rund 15 000 Quadratmeter betragen, sagt Peter. Vorgesehen sind ein Supermarkt und ein Fachmarkt für Unterhaltungselektronik. Die Handelsflächen werden sich auf Erdgeschoss, Untergeschoss und den ersten Stock verteilen, der Rest des Gebäudes wird Parkfläche sein.

Aber auch hier steht der Baustart für das 95-Millionen-Mark-Projekt noch nicht fest. Das Unternehmen hat sich den Standort vor allem mit Hinblick auf sein Potenzial ausgesucht. Peters ist überzeugt, dass es in Verbindung mit dem Gelände des Reichsbahn-Ausbesserungswerks und den seiner Meinung nach konkreter werdenden Entwicklungen auf der "Linse" zu "Kopplungsgeschäften" kommen wird und sich die Gegend zu einem attraktiven Ort entwickelt.

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