Zeitung Heute : Schöner Wildwuchs: Naturwiesen

Dorothée Waechter[dpa]

Die Ähren der Gräser wiegen sich im Wind, dazwischen öffnen sich weiße Margeritenblüten. Blaue Kerzen des Wiesensalbeis wechseln sich mit pinkfarbenen Kartäusernelken ab. Und bald erscheinen auch die fliederfarbenen Blüten der Skabiosen. Gegen eine Naturwiese kommt ein normaler Hausgarten optisch nicht an, findet Reinhard Witt, Vorstand des Vereins Naturgarten in Heilbronn: „Kurz geschorene Rasenflächen besitzen den Wert einer Kunststoffmatte – leblos, langweilig, eine echte Umweltbelastung.“ Warum also nicht den eigenen Garten wie eine Wiese gestalten?

Neben den Blüten als Hingucker gefällt der Landschaftsarchitektin und Buchautorin Bärbel Grothe aus Bochum die Vielfalt einer Naturwiese. Sie sei Lebensraum für unzählige Bewohner und habe einen großen ökologischen Wert. „Mit einer Wiese lockt man Nützlinge in den Garten, die dann nicht nur die Wiese besiedeln, sondern auch an anderen Stellen Schädlinge bekämpfen“, erklärt Grothe. Und: „Sie ist Niststatt, Futterplatz, Ruhezone und Winterquartier zugleich“, ergänzt Gartenplaner Witt.

Grothe empfiehlt aus gestalterischer Sicht, eine größere Fläche im Garten zu reservieren. „Wenn man eine Wiese betrachtet, will man den Blick über eine Fläche streifen lassen.“ Eine feste Größe gibt es eigentlich nicht, aber Witt rät, mindestens 100 Quadratmeter einzuplanen. „So leistet die Wiese tatsächlich einen Beitrag zum Artenschutz“, erläutert der Planer für naturnahe Gärten. „Hat man nicht genügend Platz, plant man besser ein Wildstaudenbeet.“ So kann man auf engstem Raum unterschiedliche Lebensbedingungen simulieren.

„Eine Wiese hat ihren Platz im Erlebnisgarten, dessen Reiz das Entdecken ist“, sagt Grothe. Wer sie anlegen will, muss die klimatischen Bedingungen ebenso gut kennen wie die Bodenbeschaffenheit. „Am besten lässt man eine Bodenuntersuchung machen“, sagt Witt. Auf nährstoffarmer Erde gedeihen Magerwiesen, auf reichhaltigerem Boden Fettwiesen mit anderen Pflanzen. Doch Hobbygärtner müssen sich auch darüber im Klaren sein, dass diese Gartenform nicht immer blüht und vor Leben strotzt. „Wenn die Zeit der Mahd gekommen ist, wandelt sich das Bild schlagartig“, sagt Grothe. „Die Fläche, die kurz zuvor noch grün und zum Teil bunt war, ist auf einen Schlag braun und unansehnlich.“ Es dauere einige Zeit, bis die Pflanzen nach dem Schnitt wieder schön gewachsen sind.

Außerdem kann man nach Grothes Einschätzung eine Wiese als Gartenbesitzer nicht wirklich nutzen. Man könne zwar ab und an hindurchstreifen, doch irgendwann knickten dadurch die Pflanzenhalme ab. Das Gleiche gilt für Fußballspielen und Toben. „Aber man kann überlegen, einen Kräuterrasen anzulegen“, sagt die Buchautorin. Sie empfiehlt Wildkräuter wie Gänseblümchen, Gamander, Ehrenpreis und Günsel im Rasenteppich zuzulassen. Sie wachsen flach und stören sich weder am regelmäßigen Schnitt noch an der Belastung durch Spiel und Freizeitgestaltung.Dorothée Waechter, dpa

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