Zeitung Heute : Schöner wohnen

Wie ein Neu-Berliner diese Stadt erleben kann

Till Hein

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Als ich nach Berlin zog, träumte ich davon, endlich über neue Themen zu schreiben: die Volksbühne, Russland, das Baltikum. Hat prima geklappt! Inzwischen bin ich Schweiz-Korrespondent mit Wohnsitz in Norddeutschland: Wenn mal eine Zeitung einen Text bestellt, dann über meine Basler Heimat, über Zürich, oder über Schokolade. Ich pendle dauernd mit dem ICE in die Vergangenheit zurück. Mittlerweile verfüge ich über enormes Insider-Wissen aus Basel: Susan hat einen neuen Job, Hansi eine neue Freundin, und Christian einen neuen Hund. Es ist ein gutes Gefühl, Experte zu sein!

Meine regelmäßigen Schweiz-Besuche bieten auch sonst große Vorteile: Jedes Mal komme ich mit einem Rucksack voller spannender Bücher zurück. Ein Großteil meiner Bibliothek ist nämlich noch bei meiner Mutter in Basel zwischengelagert. Nach und nach transportiere ich sie mit dem ICE nach Kreuzberg. Diesmal habe ich den „Grünen Heinrich“, „Robin Hood“, „Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 2“, und viele weitere Meisterwerke mitgebracht.

In meinem WG-Zimmer schichte ich die Bücher dann überall auf. Das Bett, das Sofa, der Schreibtisch, die Kommode: Das ganze Zimmer verschwindet unterm Bücherberg. Klar bräuchte ich längst ein zweites Regal. Aber ich kaufe sehr ungern Sachen. Man ist hinterher sowieso meist enttäuscht. Neulich habe ich mir zum Beispiel ein neues Faxgerät angeschafft und tagelang kein einziges Fax bekommen. Heute kam doch eines: Die Einladung zum „Diskussionsforum Darmkrebsvorsorge“.

Als ich gestern meine Zimmertür wegen der vielen Bücher nicht mehr öffnen konnte, wurde der Leidensdruck zu groß. Ich schleppte mich in den Baumarkt „Bauhaus“ beim Hermannplatz. Solche Oasen für Heimwerker stehen in der Schweiz weit draußen auf dem Lande, und man braucht ein Auto, um hin zu gelangen. Hier finden sie sich auch innerorts. Ein eindeutiges Plus: Diese Fülle an Motorsägen, Schraubenziehern und Möbeln zum Selberbasteln; da wurde es selbst mir ganz warm ums Herz. Besonders das Holzregal „Regalux“ für „flexible Raumlösungen“ sprang mir ins Auge: So billig und dazu noch so praktisch!

Das Zusammenbasteln war dann doch schwieriger als gedacht. Erst ließen sich die Schrauben nicht ins Holz drehen, und als ich schließlich den Hammer zur Hilfe nahm, brach gleich die erste ab.

Immerhin steht das Regal jetzt. Irgendwie. Es sieht nicht gut aus. Und inzwischen weiß ich auch, woran es mich erinnert: Ich habe mir das Foto auf der Verpackung noch einmal genauer angesehen. Da stehen grüne Gummistiefel, eine Kiste Äpfel und ein Sack mit Düngemittel drin. Auch ein Gartenschlauch liegt ganz oben im „Regalux“. Mit Schrecken fiel es mir wieder ein: Eben so ein Regal stand im „Schue-Rümli“ (Abstellkammer für Schuhe etc.) auf dem Bauernhof in der Gegend von Bern, wo ich als Germanistikstudent meinen „Landdienst“ absolvierte. Damals durfte ich immer den Kuhstall ausmisten. Ach Schweiz, du Schweiz, dich werd ich nie vergessen.

Im Baumarkt „Bauhaus“ an der Hasenheide 108/ 104 gibt es noch viele weitere Regale zu kaufen, Telefon: 627 90 00 .

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