Zeitung Heute : Schon sieben Millionen Kilometer "alt"

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Er ist völlig neu - der Polo der vierten Generation, der Mitte November zu den deutschen Händlern rollt. Dennoch hat er bereits eine mehrjährige Geschichte, ist ein Auto, das, wenn man so will, schon sieben Millionen Kilometer "alt" ist. Diese gewaltigen Strecken hat der neue Polo in Form der verschiedensten Prototypen und Vorserienfahrzeuge in seiner Erprobungsphase bereits zurückgelegt. Eine Menge Aufwand, die aber unerlässlich ist, wenn man ein zuverlässiges Serienprodukt auf die Räder stellen will.

Allerdings war der Polo auch schon früher unterwegs, als noch kein Stück Metall für ihn geformt wurde - auf den Bildschirmen der Entwicklungsteams nämlich, die mit Hilfe dieser Techniken die Entwicklungszeit um gut vier bis fünf Monate verkürzen konnten. Dennoch kam bei fortschreitender Entwicklung schließlich die Zeit, in der reale Fahrzeuge die zahlreichen Simulationen bestätigen mussten.

Und so waren sie dann unterwegs bei bitterer Kälte, glühender Hitze, in extremen Höhen, auf staubigen Pisten und Marterstrecken jeder Art und Hochgeschwindigkeitskursen. Im Zeitraffer galt es, die Fahrzeuge all den Belastungen auszusetzen, denen sie auch im normalen Autoalltag begegnen.

Viele 100000 Kilometer legten die Erprobungsflotten auf dem VW-Testgelände Ehra-Lessien zurück. Auf Handling-, Berg- und Marterstrecken und im Hochgeschwindigkeitsoval wurden je drei Protypen jeder Karosserie-, Motor- und Getriebekombination durch einen 100000-Kilometer-Test geschickt. Diese 100000 Kilometer spulten sie in gerade einmal sechs Monaten ab. Nicht minder hart waren die 8000-Kilometer-Tests auf dem sogenannten Hydropuls-Stand, auf dem die Fahrzeuge wochenlang verschränkt, gestaucht und durchgerüttelt wurden. Doch all das war nur die Overtüre für ein sehr viel härteres Programm, das die Fahrzeuge in die weite Welt führte. Einmal ging es in heiße Regionen, auf denen die Prototypen bei Außentemperaturen von mehr als 50 Grad und permanenter Vollgasfahrt beweisen mussten, dass die Motortemperatur trotzdem immer im grünen Bereich blieb. Ebenfalls bei extremer Hitze musste das Fahrwerk einen 3000-Kilometer-Marterkurs bewältigen, bei dem ein unerfahrener Beobachter befürchtet, das Auto würde dabei in seine Einzelteile zerlegt.

Höchstleistungen der Kühlsysteme forderten die Tests auf der Großglockner-Hochalpenstraße mit maximaler Beladung und Anhängelast und bei extremem Kriechverkehr. Aus der Hitze und den Bergen ging es ins ewige Eis. Hier mussten die Fahrzeuge sich am Polarkreis bewähren, wurde die Heizungssysteme auf Herz und Nieren geprüft, mussten die Motoren einwandfrei laufen und auch nach extrem kalten Nächten problemlos starten.

Und als alles bewältig war, da erhielten zahlreiche Prototypen ein neues Kleid, wurden in frischem Gelb lackiert, mit verschiedenen Markierungen versehen und gingen auf eine letzte Fahrt - gegen die Wand bei den verschiedenen Crashtests, bewältigten Überschläge, trotzten Seitenaufprallversuchen und bestätigten, dass der neue Polo allein im Fußraum um 60 bis 80 Prozent weniger deformiert wird als der Vorgänger und seine Seitenteile um rund 45 Prozent fester sind als beim Vorgänger.

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