Zeitung Heute : Schoolsite Award: Falkenpärchen im Internet

Claudia Wessling

Der Schoolsite Award geht in die entscheidende Runde. Der Tagesspiegel und meinberlin.de hatten Schüler und Schulprojekte eingeladen, sich am Wettbewerb um die beste Homepage zu bewerben. Eine große Zahl von Bewerbungen ist beim Tagesspiegel eingetroffen, und beim Durchsehen der Homepages konnten wir feststellen: Berliner Schüler sind fleißige Web-Designer. Sie entwerfen die offizielle Schulhomepage oder stellen einzelne Unterrichtsprojekte im Netz vor. Zum Beispiel die Schadow Oberschule in Zehlendorf: In einem Turm des Schulgebäudes nistet seit neun Jahren ein Falkenpärchen. Schüler und Lehrer nutzen das Internet, um den Alltag der Falkenfamilie live in den Biologie-Unterricht zu übertragen. Sogar ein Tonband mit Piepsgeräuschen ist im Netz abzuhören. Dieses Projekt wird in der nächsten Woche genauer vorgestellt.

Die meisten Homepages binden Grafiken und Bilder ein. Die Japanisch-Klasse der Hildegard-Wegscheider-Oberschule hat sich für eine minimalistische Lösung entschieden und verzichtet fast völlig auf Text. Die Entstehung eines japanischen Schriftzeichens wird nur über die Abbildungen erklärt. Leider fiel dieses Projekt im Vergleich mit den anderen Einsendungen etwas zu klein aus, so dass diese an sich bemerkenswerte Site nicht in die Endrunde kam.

Bunte Bilder sind nicht alles. Vor allem die offiziellen Schulseiten setzen auf Information. Die Dahlemer Alfred-Wegener-Oberschule begrüßt den Surfer mit einem klassischen Design. Neben der Fotografie der Schule mit animierter Deutschlandflagge steht ein aktueller Terminkalender. Auf den anderen Seiten stellt sich das Kollegium vor, berichten Schüler von ihrer Klassenfahrt. Reichlich Information präsentiert auch das Friedrichshainer Erich-Fried-Gymnasium auf seinen übersichtlich gestalteten Seiten: Arbeitsgemeinschaften, Schulveranstaltungen und Kursvorstellungen. Wer hier surft, muss sich Zeit nehmen.

Nicht nur inhaltlich decken die eingereichten Seiten ein breites Spektrum ab, auch im Design werden ganz unterschiedliche Tools eingesetzt. Während manche Seiten relativ einfach mit Editoren wie Frontpage gestaltet wurden, haben andere direkt auf der HTML-Ebene programmiert und bieten ein fast professionelles Design. Auch Java-Script und Flash-Animationen sind für viele Schüler anscheinend keine Fremdwörter mehr: Besonders auf den Welcome-Seiten haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie den Surfer mit Effekten auf sich aufmerksam machen. Wichtig scheint den jungen Designern auch eine gut klingende Domain-Adresse: Lange und komplizierte URLs sind out, die Schulen und Projekte suchen sich inzwischen Namen, die etwas aussagen. Also turmfalken.de, intercultural-times.de oder twainweb.de.

Die letztgenannte Adresse führt zur Homepage der Mark-Twain-Grundschule, die hier außer Konkurrenz vorgestellt sei, da der Schoolsite Award nur für Schüler ab Klasse 7 ausgeschrieben wurde. Auch an den Berliner Grundschulen scheint, so beweist äußerst gelungene Präsentation der Charlottenburger Schule, in Sachen Webdesign einiges los zu sein. Sogar eine englischsprachige Sektion haben die Schüler in die Seiten integriert, an denen seit fast drei Jahren gebastelt wird.

Nach Sichtung aller Einsendungen sah sich die Tagesspiegel-Jury vor die Qual der Wahl gestellt. Unter den vielen guten Bewerbungen mussten die aussichtsreichsten herausgefiltert werden. Folgende gleichberechtigte Kriterien wurden von der Jury untersucht, in der Hoffnung, zu einem einigermaßen objektiven Resultat zu gelangen: Idee und Zielsetzung, Inhalt, technische Umsetzung und graphisches Design. Wichtig war auch das Zusammenspiel dieser Faktoren.

Nach langen Diskussionen wurden nun 15 besonders gelungene Websites ausgesucht. Diese werden in den nächsten zwei Wochen auf den Interaktiv-Seiten und unter www.meinberlin.de/kids auch online nacheinander vorgestellt. Heute beginnen wir mit der Vorstellung der ersten drei Sites. Sobald alle Seiten präsentiert wurden, können die User per Mausklick entscheiden, welche ihnen am besten gefallen. Jeder Teilnehmer an der Abstimmung hat allerdings nur eine Stimme, denn eine Wiederholung des US-Wahldebakels soll hier vermieden werden.

Die drei Erstplazierten dürfen sich freuen: Ihnen winken Prämien in Höhe von 700, 500 und 300 Mark zur Ausrichtung einer Klassenfete. Alle, die es nicht in die Endausscheidung geschafft haben, sollen nicht enttäuscht sein. Ihre Seiten sind deswegen nicht weniger schön. Wie beim sportlichen Wettkampf gilt auch im Internet: Dabei sein ist alles.

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