Zeitung Heute : Schornsteine im Windkanal

Wie Strömungsexperten Kraftwerke verbessern

Sybille Nitsche

Die Liste der Bauwerke und Objekte, die im Windkanal der TU Berlin bereits getestet wurden, ist lang. Sie reicht vom schlangenförmigen Wohnkomplex in Berlin-Moabit über Müllverbrennungsanlagen bis hin zu Antennen sowie Kreuzfahrtschiffen. Derzeit untersucht Oliver Paschereit, TU-Professor für Strömungsmechanik, im Windkanal zwei Heizkraftwerke der Hamburger Electricitätswerke, die zum Vattenfall-Konzern gehören. Modelle, versteht sich.

Dabei hat er vor allem den Rauch im Blick. „Trotz aller Bemühungen, Schadstoffe wie Kohlendioxid weiter zu minimieren, bleibt ein gewisser Anteil unvermeidbar“, sagt er. „Schornsteine sollen die Schadstoffe in die Atmosphäre abgeben, damit die Umgebung so gering wie möglich belastet wird. Im Windkanal machen wir sichtbar, wie sich der Rauch auf umliegende Gebäude niederschlägt.“ Deshalb steht dort nicht nur das maßstabsgerechte Modell, sondern auch die Nachbildung der Nachbargebäude. Solche Untersuchungen an der TU haben beispielsweise geholfen, die Auswirkungen der Schadstoffe aus dem Kraftwerk Reuter-West in Berlin zu vermindern.

Auch der im Rauch enthaltene Wasserdampf verdient Beachtung. Besonders im Winter kann er an den Fassaden kondensieren und zu Eisplatten gefrieren. Paschereits Messungen sollen Aufschluss darüber geben, wie solche Gefahren auszuschließen sind. Die Experimente werden durch Simulationen im Computer ergänzt.

Der Forscher prüft vor allem das Strömungsverhalten der Abgase im so genannten Nahbereich, also im Umkreis von 500 Metern. Um die relevanten Messdaten der Niederschläge zu erhalten, werden im Windkanal nicht nur verschiedene Windgeschwindigkeiten, sondern durch Rotation des Modells auch die Windrichtungen simuliert. Ebenso lassen sich unterschiedliche Schlothöhen einstellen. „Auf Grundlage dieser Daten unterbreiten wir Vorschläge zur Optimierung des Kraftwerksbaus inklusive des Schornsteins, damit die Immissionen an den umliegenden Gebäuden so gering wie möglich sind“, sagt Paschereit.

Eines der beiden untersuchten Hamburger Kraftwerke steht in der Hafencity zwischen historischer Speicherstadt und Elbufer. Dort wird bis 2025 ein neuer Stadtteil gebaut.

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