Zeitung Heute : Schritt für Schritt ins Gartenglück

Ein Besuch in der Gartenschule der Königlichen Gartenakademie

Inge Ahrens

Gärtner werden meist alt. Sie sind geistig fit, auch wenn der Rücken mal schmerzt. Wer stets positiv die nächste Gartensaison plant, der bleibt offensichtlich vital. Und darum ist jetzt genau die richtige Jahreszeit für einen Besuch der Gartenschule in der Königlichen Gartenakademie in Dahlem. Dort gibt es in einem unterhaltsamen Tageskurs interessante Ratschläge, was die Grundlagen der Gartengestaltung betrifft. Nicht mehr und nicht weniger – aber sehr nützlich.

„Ist das nicht ein herrliches Thema für den Winter?“, fragt Isabelle van Groeningen, die neben Gabriella Pape eine der prägenden Frauen in der inzwischen bekannten, wiederbelebten Königlichen Gartenakademie ist. Mit einer Handvoll gut gelaunter Gartenfreunde sitzen wir im geheizten Pflanzhaus und lauschen, was die beiden Damen uns zu sagen haben.

„Führen Sie sich jetzt mal kritisch Ihren Garten vor Augen“, rät Isabelle van Groeningen. In Gedanken zieht das heimische Grün vorbei: Ach du meine Güte, denken Sie möglicherweise, was ist bloß aus ihm geworden? Inzwischen macht Gabriella Pape die Leinwand für beispielgebende Fotos klar. Doch sie dämpft sogleich die Erwartungen all der Gartenfreunde aus nah und fern, die hoffen, einen perfekt gestalteten Garten von ihr präsentiert zu bekommen. „Hier geht keiner mit einem fertigen Garten raus, aber vor lauten Neuem wird Ihnen der Kopf schwirren“, sagt sie lachend. Als erstes rät sie uns, daheim ein Stück Papier zu nehmen und eine maßgerechte Skizze vom Garten zu machen. „Zeichnen Sie aber nur das ein, was Sie nach der Renovierung unbedingt behalten wollen“, empfiehlt sie. Man trennt sich ja ungern von den gehätschelten Pflanzen, obwohl sie schon lange vor sich hin kümmern, statt prachtvoll zu strotzen. „Sie werden merken, es gibt Ecken in Ihrem Garten, in denen Sie nur selten waren“, versichert Gabriella Pape.

Und schon hat sie den nächsten Ratschlag parat. Sie empfiehlt, dass wir uns daheim unsere Kamera schnappen und in einem Radius vom selben Standpunkt aus drei Fotos machen, die dann aneinandergeklebt werden. Die Fachfrau hält ein paar besonders gelungene Exemplare solcher Gartenpatchworks hoch: „Aus Ihrer Gartenskizze, den Fotos und all dem, was Sie gern im Garten haben möchten, wie Gartenmöbel, Obstspaliere, Kräuterbeete, Kunstwerke, Mann und Kinder, machen Sie jetzt eine Collage.“ Das zeige einem professionellen Gartengestalter Bilder, die im Kopf entstanden sind. Denn mit schwärmerischen Wünschen, „ich hätte gern einen formalen Garten“, könne der nämlich gar nichts anfangen. Versailles ist formal und Sissinghurst eben auch. Der Gartendesigner sei kein Hellseher. „Bei mir stehen Kunden und sagen: Ich hab da einen Garten … Ich schaue und sage: Das ist ein Stück Land“, erzählt Pape aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Wer sich von ihr seinen Garten gestalten lassen möchte, muss diese Vorarbeit leisten.

Als nächstes lernen wir: Rasen und Stauden machen Arbeit. „Aber in Deutschland geht man ja in den Garten, um zu arbeiten. In England gärtnert man“, meint Pape, die lange und sehr erfolgreich dort gearbeitet hat. Spätestens mit der Wiedererweckung der Gartenakademie soll sich das nun auch bei uns ändern. „Fangen Sie mit wenig Geld an. Die Sachen wachsen.“ Recht hat sie. Was hat man nicht schon alles in guter Hoffnung auf prächtiges Wachstum im Garten versenkt.

Für Pape steht die Gestaltung des Vorgartens an erster Stelle. „Das ist Ihr ganz persönlicher Korridor“, sagt sie. Denn der Weg durch den Vorgarten sei kein finsterer Gang, eher ein Auftritt, eine Art roter Teppich zum Haus. „Kleiner Garten, kleine Steine, großer Garten, große Steine“, empfiehlt die Fachfrau. Sie rät eher zu Kalkstein als zu Sandstein als Belag, denn wenn dieser im Schatten liege, verschleime er leicht und werde rutschig, erklärt sie.

Und schon folgt der nächste Tipp. „Schaffen Sie Perspektiven in Ihrem Garten. Schotten Sie sich nicht total ab von Ihren Nachbarn!“ Stimmt. Hohe Hecken sind auch Mauern. Also schärfen wir unseren Blick und überlegen, ob nicht doch irgendwo ein schönes Haus steht, das wir bisher gar nicht sehen wollten, ein Kirchturm, auf den es sich lohnt zu schauen, oder einfach nur ein prächtiger Baum im Blickfeld ist. Doch vor dem geistigen Auge erscheint erst einmal nur der heimische Rasen.

Und schon kommt die nächste Empfehlung von Gabriella Pape: „Wenn Sie Ihren Rasen loswerden wollen, dann lassen Sie ihn nicht abtragen, sondern machen Sie ihn sich zunütze“, empfiehlt sie. „Graben Sie ihn um, sodass er aufs Gesicht fällt. Das ist Ihr Wasserspeicher für Jahre, Ihr Kompost“. Wer den grünen Teppich behalten will, soll ihn von Zeit zu Zeit abharken. Das sei gut für seine Belüftung, sonst drohe er zu verdichten, rät die Expertin und fährt fort: „Zögern Sie nicht, eine Bewässerung anzulegen, vor allem dann, wenn Sie Rosen haben. Die Zeitschaltuhr programmieren Sie so ein, dass das Nass morgens zwischen fünf und acht Uhr rieselt. Dann sind nämlich alle Pflanzenporen offen. Nachts transpirieren die Pflanzen, und tagsüber sind sie mit der Photosynthese beschäftigt, da saufen sie nicht“, erklärt sie.

Was den Gesamteindruck des Gartens betrifft, so solle man bei der Anlage neuer Beete darauf achten, dass die Architektur des Hauses formal einbezogen wird, damit eine gewisse Spannung entsteht – beispielsweise mit Umfassungen oder Beeten. Ansonsten gilt für Pape die Regel: auch mal was auslassen. Man müsse nicht jede Lücke füllen. „Aber wenn Sie pflanzen, dann kleckern Sie nicht, klotzen Sie.“, sagt sie unmissverständlich.

„Ein Wasserspiel wollen Sie?“  Da gilt grundsätzlich: tiefer Strahl, tiefes Becken, tiefer Sound. Sonst sollte man es lassen und einen anderen attraktiven Blickfang wählen, beispielsweise einen antiken Brunnen, in dem sich das Regenwasser sammelt und aus dem die Vögel trinken können.

Eines werden wir sicher im Garten schaffen: einladende Plätze, an denen wir möglicherweise nie sitzen werden. Und noch einen guten Rat hat Gabriella Pape für ihre „Gartenschüler“: „Räumen Sie abends bloß nicht immer alles ein. Wenn Sie morgens ins Freie treten und erst den Stuhl aus dem Gartenhaus holen müssen, verpassen Sie das Beste.“ Bevor Isabelle von Groeningen Tipps für die Bepflanzung gibt, geht’s aber erst einmal ins Café Lenné zur Mittagspause.

Königliche Gartenakademie, Altensteinstraße 15a, 14195 Berlin, Telefon 030 / 83 22 090-0. Geöffnet: Mo. bis Sa. 11-17 Uhr 30 Uhr, Mai bis September Di. bis Fr 9 Uhr 30-19 Uhr 30 Uhr , Sa. 9 Uhr 30-18 Uhr. Das gesamte Kursprogramm: Internet: www.koenigliche-gartenakademie.de

Der Kurs „Grundlagen der Gartengestaltung“ kostet 120 Euro einschließlich Mittagessen.

Literatur: Gabriella Pape: Schritt für Schritt zum Traumgarten. Callway Verlag, München, 2008. 64 Seiten, 60 Abbildungen. 12 Euro.

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