Zeitung Heute : Schrittweise zum Ziel

Die richtigen Produkte in einem passenden Umfeld zu einem marktfähigen Preis zu präsentieren: Das ist die Devise von Mark Schmitt vom gleichnamigen Bettenhaus

Waltraud Hennig-Krebs

Mark Schmitt hat es geschafft. In der kleinstädtisch wirkenden Beschaulichkeit am Teltower Damm 28, just dort, wo sich das alltägliche Einkaufsleben Zehlendorfs abspielt, hat er in den letzten zehn Jahren „das Bettenhaus“ – wobei die Betonung auf „das“ liegen soll – nach und nach zu einem ausgesprochen erfolgreichen Facheinzelhandels-Unternehmen entwickelt.

„Das Schöne an unserer Branche ist, dass wir Produkte verkaufen, die nicht nur geschmackvoll sind, sondern auch die Lebensqualität erhöhen“, meint er schwärmerisch und fügt hinzu, dass eine Nacht unter einer edlen Kaschmir- oder Eiderdaunen-Decke viel dazu beitragen kann, den Tag froh gestimmt zu beginnen. Man merkt ihm die Freude an, die ihm seine Arbeit macht: Unternehmer zu sein, die Praxis mitzugestalten und hautnah zu erleben – das ist sein Metier.

Doch Schmitt gehört nicht zur Generation der Existenzgründer, die bei null angefangen haben. Denn seit Generationen ist das Grundstück, auf dem der freundlich wirkende Neubau mit Glasfassade steht, in Familienbesitz. Und bereits im früheren Altbau gab es im Erdgeschoss ein Bettengeschäft. Eigentümer war sein Vater. Ein weiterer, allerdings gemieteter Laden für Baby-Ausstattung auf der gegenüber liegenden Straßenseite gehörte ebenfalls Schmitt Senior. Mit 55 Jahren fand der Vater, es sei an der Zeit, sich aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. „Wollt ihr den Betrieb haben? Ich schenke ihn euch, wenn nicht, verkaufe ich ihn“, lautete sein Angebot Anfang der 90er Jahre an Mark Schmitt und seinen eineinhalb Jahre jüngeren Bruder. Die beiden griffen zu.

Mark, der Ältere, war nach abgeschlossenem BWL-Studium und erfolgreicher Lehre zum Bankkaufmann noch auf der Suche nach praxisbezogener Arbeit. „Während des Studiums hatte ich das Gefühl, die wollten mich zum wissenschaftlichen Mitarbeiter ausbilden. Und während meiner Lehre, waren die Momente, wo richtig Bewegung und Action auf dem Parkett der Berliner Börse herrschte, äußerst rar. Das war nicht meine Welt“, erzählt er und fügt hinzu, dass er als Börsenhändler aus Berlin hätte wegziehen müssen und das wollte er nicht. So kam ihm der Sprung ins kalte Wasser gerade recht. „Ich habe keinen einzigen Tag mit meinem Vater zusammengearbeitet", sagt er. Denn dieser hatte sich – was sehr selten ist – hundertprozentig aus dem Geschäft zurückgezogen. Die beiden Brüder waren sich schnell einig. Der Jüngere wollte das Baby-Ausstattungsgeschäft führen und er Mark, den Stammsitz leiten. „Denn zwei Chefs in einem Haus sind keine gute Lösung“, bekräftigt er die damalige Entscheidung.

Schnell kam Schmitt zu der Erkenntnis, dass der Betrieb in der bestehenden Form keine zwei Familien ernähren würde. Also galt es, ein Konzept für die Zukunft zu entwerfen. Die ideale Lösung war ein Neubau. Denn der Vater, ein Anhänger der kleinen, stetigen Schritte, hatte auf dem Hof die ehemaligen Pferdeställe, die traditionell zu alten herrschaftlichen Gebäuden gehörten, in Verkaufsräume umgewandelt. „Es gab keine Transparenz, zu viele Ecken, Podeste und Treppen. Jeder Raum war in sich geschlossen", erzählt Schmitt von den Anfängen seiner Unternehmer-Karriere. Doch bevor er in die Detailplanung gehen konnte, musste er „die schwierigste Hürde“, wie er sagt, in Angriff nehmen, nämlich seine Großmutter davon zu überzeugen, die Wohnung im ersten Stock ihres Geburtshauses zu verlassen.

Dem Enkel gelang, was dem Sohn nicht geglückt ist. Die heute 93-Jährige war einverstanden, allerdings unter der Voraussetzung, eine adäquate Wohnung in unmittelbarer Nähe zu bekommen. „Unter 100 Quadratmeter durfte diese nicht haben, denn meine Oma hat ihr Leben lang herrschaftlich gewohnt“, erzählt schmunzelnd der Enkel. Die Lösung: Die alte Dame bewohnt mitsamt ihrem Flügel zwei Wohnungen, einen Steinwurf vom Stammhaus entfernt.

Fünf Jahre habe es von der Planung bis zur Realisierung des Neubaus gedauert, denn der Geschäftsbetrieb musste weitergehen. „Eigentlich sind es zwei Häuser“, erklärt Schmitt. Zuerst seien die Schuppen abgerissen worden und ein Neubau an das alte Vorderhaus, in dem weiter verkauft wurde, angebaut worden. Dann wurde das Haus an der Straßenfront am Teltower Damm errichtet und anschließend beide Gebäude miteinander verbunden. Über zwei Etagen entstand ein Licht durchflutetes Haus. Doch ein Neubau allein macht noch kein erfolgreiches Unternehmen.

Mark Schmitt erklärt die Geschäftsphilosophie – wobei er „unsere“ sagt und damit die Mitarbeiter miteinbezieht – mit dem Satz: Die richtigen Produkte in einem passenden Umfeld zu einem marktfähigen Preis zu präsentieren. Das bedeutet für ihn, sich in die Kunden hinein zu versetzen, sich zu überlegen, was würde ich gebrauchen können und welchen Preis würde ich dafür zahlen.

Schmitt ist davon überzeugt, dass die Marktbereinigung, die zurzeit im Handel und auch auf der Herstellerseite stattfindet, dazu führt, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. „Nur die Firmen werden überleben, die ein klares Profil haben“, lautet seine These. Denn der Fachhandel sei nicht tot. „Gefragt sind ein guter Service und eine intensive Beratung“. Das ginge aber nur mit entsprechend qualifizierten Mitarbeitern, meint er. Ein Unternehmer müsse versuchen, seine Vorstellungen von Firmenkultur auf die Mitarbeiter zu übertragen. Dann stünden sie auch hinter der Firma, weiß er aus Erfahrung. Allerdings gehöre dazu auch für ihn die Weiterbildung seines 25-köpfigen Teams. „Ich setze auch schon mal einen unserer Techniker ins Flugzeug, damit er sich an Ort und Stelle bei Herstellerfirmen informieren kann“, sagt er.

In die Zukunft sieht Mark Schmitt recht optimistisch. „Aus meiner Sicht ist die Talsohle durchschritten. Wir streben in diesem Jahr wieder die Umsätze von 2000 an.“ Die letzten beiden Jahre habe es auch bei ihm, nach Zuwächsen von jährlich 15 bis 20 Prozent, Umsatzrückgänge gegeben. Doch jetzt beobachte er, dass seine Kunden wieder bereit seien, für Luxus Geld auszugeben. Wobei der Luxus die Qualität seiner angebotenen Produkte ausmacht, hochwertige Ware, wie beispielsweise Einziehdecken, Frottierwaren oder auch Tag- und Nachtwäsche, im Fachjargon „Frequenzartikel“ genannt. „Dieses Angebot hat sich neben der so genannten Hartware, wie Bettsysteme oder Matratzen, im Laufe der Jahre entwickelt“. Wann immer Kunden Wünsche äußerten, hat Mark Schmitt reagiert und sein Sortiment erweitert. Es sei schon für seine Branche eine ungewöhnliche Konstellation, dass sich der Umsatz je zur Hälfte von „Frequenzartikeln“, bei denen der Anschaffungszyklus sehr viel kürzer ist und dem Angebot von Matratzen und Bettsystemen zusammensetzt.

Im Oktober wird Mark Schmitt sein sich selbst gesetztes Ziel erreicht haben. Das auf der anderen Straßenseite gelegene Baby-Ausstattungsgeschäft kommt ins Haupthaus, das Angebot wird komplettiert. Der Kunde merkt kaum etwas davon, was sich hinter den Kulissen tut. Denn der Umzug des Baby-Ladens aus den gemieteten Räumen bedeutet Um- und Ausbau des Stammhauses. „Wenn ich dieses Haus so hinbekommen habe, wie ich mir das vorstelle, dann sind wir d i e Adresse in der Stadt“, hofft Mark Schmitt.

Schmitt, das Bettenhaus, Teltower Damm 28 (Zehlendorf), Telefon: 801 90 70. Internet: www.bettenhaus.de

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