Zeitung Heute : Schüler-Websites: Mach mir die Homepage

Tina Heidborn

"Planen, Sie müssen erst einmal planen, wie die Seiten aussehen sollen. Am besten ganz herkömmlich auf Papier", sagt Jürgen Frank eindringlich. "Denn sonst bekommen sie so völlig chaotische Seiten, auf denen nur Lehrerwitze stehen". Und dabei ist der Internet-Auftritt einer Schule inzwischen doch längst so etwas wie eine Visitenkarte, ein Vorzeige-Projekt.

Schulen in Deutschland sollen nicht nur ans Netz, immer mehr gehen mit einer Web-Site selbst ins Netz. Die Hilfs- und Serviceangebote bei der Umsetzung der Internet-Präsenz sind vielfältig, Initiativen wie "Computer in die Schulen" (CidS) oder die vom Senat getragene "Beratungsstelle für informationstechnische Bildung und Computereinsatz in Schulen" (bics), bei der Jürgen Frank arbeitet, sind erste Anlaufadressen. Die Hardware für den Internet-Auftritt steht meistens schon bereit: In Berlin bietet CidS allen knapp tausend Schulen einen kostenlosen Internet-Anschluss, Multimedia-Computer, Software und ISDN-Anschluss inklusive. "Aber einen Internet-Anschluss haben und ihn nutzen sind leider oft zweierlei Dinge", sagt Markus Kuschela, der Leiter der Berliner CidS-Geschäftstelle.

Im halböffentlichen, halb privatwirtschaftlichen Modell von CidS übernimmt die deutsche Telekom mit T-Online als Provider die Rechnung für die Telefonleitungen. Und sie stellt kostenlos Speicherkapazität für die Homepages zur Verfügung. Hier müssen Schulen anders als private Nutzer für ihren Domain-Namen und Platz im Netz keine Miete zahlen. Auch andere Bildungsserver wie das Deutsche Forschungsnetz oder Universitäten bieten den Schulen kostenlos einen Domain-Namen und Speicherkapazität: Das Offene Deutsche Schulnetz (ODS) verwaltet beispielsweise Adressen mit den Endungen ".schule" beziehungsweise ".school". Dass sich bei ihnen eine Schule gemeldet habe, die mit dem Speicherplatz nicht ausgekommen sei, habe er noch nie gehört, sagt Manfred Kuschela. Die Hardware ist da, der Platz bestellt, und auch am Aufbau der Seiten muss keine Schule scheitern. "Das einzige, was wir von einer Schule verlangen, ist, dass sich zwei Lehrer bei uns schulen lassen", erklärt Markus Kuschela von CidS.

Das Angebot an Einführungskursen für Pädagogen ist groß. HTML, die Sprache des Quellcodes im Internet, muss man dabei kaum mehr lernen, oder zumindest nicht für den Einstieg ins Netz. In den einführenden Kursen wird vor allem der Umgang mit gängigen Editoren gezeigt. Diese erstellen Webseiten in enger Anlehnung an übliche Textverarbeitungsprogramme. Statt die einzelnen HTML-Programmierungsbefehle zu pauken, kann man hier relativ einfach per Mausklick standardisierte Web-Seiten aufbauen.

Die Mitarbeiter von bics haben ihre Einführungen Schritt für Schritt ins Internet gestellt. Dort ist auch nachzulesen, wie Schulen an möglichst kostengünstige Software kommen, an ganz kostenlose Programme (freeware) oder an günstige Schulversionen (shareware). Ernüchterung setzt meist beim Gang ins Netz ein. Denn was auf den Schulcomputern so schön aussieht, kann online leicht chaotisch werden. "Schwierig wird es oft, wenn die Seiten zum Server geschickt werden", sagt Jürgen Frank. Da die meisten Schulen keine Standleitung ins Netz besitzen, müssen sie ihre Schulseiten auf dem Server eines Providers zwischenlagern. Und anders als die Computer in Schulen sind dies meist keine Personal Computer, die unter Windows laufen, sondern Unix-Rechner. Groß- und Kleinschreibung, Leerzeichen oder Umlaute, wie sie in Microsoft-Betriebssystemen vorkommen, werden vom Server-Rechner anders gelesen und führen oft dazu, dass die Seiten, die offline im Schulcomputer tadellos waren, online durcheinandergehen: Die Verlinkung klappt nicht, in den Dateien herrscht Konfusion.

"Wenn dann nur ein Fünftel der Seiten geht, ist die Frustration groß", sagt Jürgen Frank, für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Bei bics können die Lehrer in solchen Fällen vorbeikommen und eine Fehleranalyse einholen. Sich einem Netz im Netz anzuschließen, ist für Schulen, deren Webadresse meist nicht unmittelbar schlüssig ist, sinnvoll. Was nützen die schönsten Internet-Seiten, wenn sie niemand besucht, weil sie niemand findet? Auch bei der gezielten Vernetzung profitieren Schulen von einer umfangreichen Infrastruktur, die Einrichtungen wie bics oder CidS unterstützen. So empfiehlt Jürgen Frank einen Eintrag im nicht-kommerziellen SchulWeb-Ring, in dem sich inzwischen die meisten Schulen weltweit miteinander verkoppeln. Als Zusammenschluss und zentrale Anlaufadresse dient auch das Offene Deutsche Schulnetz (ODS) mit einer Liste aller angeschlossenen Schulen, Verlinkungen gibt es auch zu Bildungs-Servern auch aufüberregionaler Ebene. Bei bics weist man auch auf die Anmeldung in Suchmaschinen hin, wenn diese spezielle Rubriken wie "Bildung" anbieten.

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