Zeitung Heute : Schülerlotsen: Hütchenspiel der Sicherheit

Birgit Harms

Sie weiß mit Sicherheit, wo es langgeht: Die zwölfjährige Schülerin Jasmin Röhl errang jüngst beim Bundeswettbewerb der Schülerlotsen in Köln den siebenten Platz. Insgesamt stellten 15 Landessieger ihr Können unter Beweis. Sieger des ein Mal jährlich stattfindenden Wettstreits wurde der Sachse Lars Wertmann.

Jasmin Röhl gab ihr Bestes im Wettbewerb, der aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Knifflig war der Bremstest. Dabei sollen die Schüler den Bremsweg eines herannahenden Autos abschätzen. Dazu platzierten sie ein Verkehrshütchen möglichst genau dort, wo der Wagen zum Stehen kommt.

Gerade bei dieser Prüfung war der Lerneffekt sehr groß. Viele Hütchen wurden "überfahren", weil die Lotsen mit einem kürzeren Bremsweg gerechnet hatten. Eine einprägsame Erfahrung, die den Schülern drastisch vor Augen führte, wohin leichtsinniges Verhalten im Straßenverkehr führen kann. Schülerlotsen wie Jasmin - da sind sich die Experten einig - werden später keine rücksichtslosen Raser, sondern verantwortungsvolle Verkehrsteilnehmer. Doch der Job der rund 50 000 jungen Verkehrshelfer ist hart. Sie müssen früh raus und sind bei Wind und Wetter im Einsatz. Sie schlagen sich mit uneinsichtigen Mitschülern herum und mit Autofahrern, die sie nicht ernst nehmen.

Jasmin Röhl, die erst seit einigen Monaten an der Freiherr-Hünefeld-Grundschule in Berlin-Steglitz im Einsatz ist, hat trotzdem Spaß an ihrer Aufgabe. Es gefällt ihr, anderen Kindern zu helfen. Außerdem kann sie so schon einmal für ihrern Traumberuf üben: Jasmin möchte nämlich Polizistin werden.

Dass der Lotsendienst eine sinnvolle Sache ist, zeigt auch ein Blick in die Statistik. Seit 1953 gibt es in Deutschland die freiwilligen Helfer am Straßenrand. Und seitdem ist dort, wo sie im Einsatz sind, niemals ein tödlicher Unfall passiert.

Veranstaltet wird der jährliche Schülerlotsen-Wettbewerb von der Deutschen Verkehrswacht und dem Verband der Automobilindustrie. Er unterstützt die Arbeit der jungen Verkehrswächter auch finanziell. Die Veranstalter belohnten die sonst unentgeltlich arbeitenden Schülerlotsen: Für die ersten drei gab es Geldpreise. Jasmin Röhl bekam einen stattlichen Pokal und eine Urkunde.

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