Schützenbrüder : Ins eigene Knie geschossen

Die Unesco verweigert den deutschen Schützenbrüdern die Aufnahme ins immaterielle Weltkulturerbe. Unser Kolumnist Helmut Schümann, ein von Schützen geplagter Rheinländer, freut sich darüber.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Ich will heute mal auf religiöse Gefühle Rücksicht nehmen. Und nicht darüber nachdenken, ob Terror wirklich nichts mit Religion zu tun hat, wie es im Düsseldorfer Rosenmontagszug behauptet wurde. Der ein oder andere Zwangsmissionierte des Mittelalters ist da möglicherweise anderer Meinung. Aber zurück zu Düsseldorf, meiner Heimatstadt. Neben dem Karneval wird dort dem Schützenwesen außerordentlich große Bedeutung beigemessen. Zu große, wenn man mich fragt. Es ist also hier mit einer gewissen Voreingenommenheit zu rechnen und einer eindeutigen Parteinahme im Streit zwischen der Unesco und dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, kurz BDHS. Der Streit geht auf das vergangene Jahr zurück, in dem Mithat Gedik in Werl-Sönnern im Kreis Soest den Vogel abgeschossen hatte. Warum auch immer. Auf jeden Fall war Mithat Gedik damit Schützenkönig. Mithat Gedik ist türkischstämmig, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, verheiratet mit einer katholischen Frau und Vater katholisch getaufter Kinder. Er selber ist Muslim. Was dann doch etwas zu viel war für den katholischen Schützendachverband BDHS. Nach einigem Hin und Her erkannte er Mithat Gedik zwar als Schützenkönig an, untersagte ihm aber die Teilnahme am Bezirksschützenfest.
Mit der sehr christlichen Begründung, dass die Schützenbrüder seit über 800 Jahren christliche Werte vertreten. Und zu denen gehöre eben auch, dass die katholischen Schützenvereine nur Christen aufnehmen dürfen. Tja, lieber Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, kurz BDHS, damit habt ihr euch, um im Metier zu bleiben, selbst ins Knie geschossen. Die Schützenbrüder wollten gleichzeitig ins immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen werden. Warum auch immer. Das deutsche Bier will es ja auch, oder ist es schon, das deutsche Brot ebenfalls, warum nicht auch das deutsche Schützenwesen? Auch wenn das Kulturgut von Tschingderassabumm nicht auf Anhieb einleuchtet. Mir nicht und der Unesco auch nicht. Die hat nämlich die Aufnahme der Schützenbrüder erst einmal abgelehnt. Weil „wegen der schroffen und ausgrenzenden Reaktion“ auf einen „nicht biodeutschen Maßstäben“ entsprechenden Schützenkönig eine offene Traditionspflege nicht bestätigt werden könne. Und es außerdem unverständlich sei, warum eine religiöse Öffnung den christlichen Gründungszweck gefährden könne. Biodeutsche Maßstäbe meint das, was man mal Leitkultur nannte. Mit diesem schönen Blattschuss hat sich die Unesco einen besonderen Tusch verdient.

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