Schuh des Manitu : Alles bestens im Theater des Westens

Das Musical „Der Schuh des Manitu“ beschert dem Traditionshaus hohe Einnahmen.

 Daniela Martens
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"Es war uns sehr wichtig, eine Weltpremiere nach Berlin zu bringen. ,Der Schuh des Manitu‘ passt einfach perfekt in diese schrille, skurrile Stadt. So lange es gut läuft, wird das Stück  weiter gespielt. Das Theater des Westens ist ein Aushängeschild für unsere Firmengruppe, es ist unser historischstes, ältestes und schönstes Haus.“
Johannes Mock O’Hara, Deutschland-Geschäftsführer Stage Entertainment


Kurz vor Schluss sitzen Winnetouch und Hombre im Badezuber auf der Bühne und Hombre, der alte Haudegen, schmettert mit rauer Stimme sein Lied „Das Leben ist schön“. Die Cowboystiefel hat er angelassen, so machen das harte Kerle eben.

Seit Dezember läuft die Musicalversion von „Der Schuh des Manitu“ im Theaters des Westens, und seitdem gilt auch für das traditionsreiche Haus in Charlottenburg der Refrain aus Hombres Liedchen: „Das Leben ist schön“.

„Wir haben in den ersten zwei Monaten mehr als 100 000 Tickets verkauft“, sagt Johannes Mock O’Hara. 30 bis 100 Euro kostet eine Karte. „Damit ist das Stück erfolgreicher, als wir je erwartet hätten.“ Mock O’Hara ist als Deutschland-Geschäftsführer des Unternehmens Stage Entertainment, dessen Mutterfirma in den Niederlanden sitzt, für elf deutsche Musicaltheater verantwortlich. In Berlin gehören auch das Bluemax Theater und das Theater am Potsdamer Platz dazu. Produktionen wie „Mamma Mia“ oder „Die Schöne und das Biest“ kauft die Firma aus dem Ausland ein, doch zunehmend setzt sie auch auf Eigenproduktionen. „Es war uns sehr wichtig, eine Weltpremiere nach Berlin zu bringen“, sagt Mock O’Hara. Das „schrille, skurrile“ Stück passe einfach zur Stadt. Dennoch sei es ein großes Risiko gewesen: „Bei Lizenzproduktionen liegen die Erfolgchancen bei 60 bis 70 Prozent, bei eigenen nur bei 30 bis 40 Prozent“. Nach drei Jahren Arbeit kam es ihm dann fast wie ein kleines Wunder vor, dass die Inszenierung von sämtlichen Kritikern wie auch von den Zuschauern bejubelt wurde.

„Berlin ist ein wichtiger, aber schwieriger Markt für Musicals“, sagt Mock O''Hara. Wie schwierig er tatsächlich ist, kann man an der Geschichte des Theaters des Westens ablesen: In den Neunzigern geriet das mehr als 100 Jahre alte Theater, das zu jener Zeit von einer landeseigenen gemeinnützigen Betriebs- GmbH betreut wurde, immer tiefer in die roten Zahlen. Daher vermietete der Senat das Haus 2002 an das internationale Unternehmen, das damals noch Stage Holding hieß.

10 Millionen Euro hat O’Haras Firma in das Theater gesteckt, unter anderem für einen Umbau, der zunächst nicht allen gefiel. Winfried Baldeweg etwa, seit 20 Jahren an der Bühne beschäftigt und heute betriebstechnischer Leiter des Theaters, erinnert sich an ungemütliche Momente: „Eines Tages, als Wände und Sitze herausgerissen wurden, konnte ich das nicht mit ansehen. Mir ist ganz anders geworden und ich musste einfach nur noch raus.“ Inzwischen scheint er mit dem neuen Konzept ziemlich glücklich, er ist stolz, wie sehr das Theater nach der Renovierung in neuem Glanz strahlt. „Die Umstellung auf einen privaten Betreiber war ein bisschen eine Erlösung“, sagt er. „Da kamen endlich Profis, die genau wussten, was sie taten: nicht kleckern, sondern klotzen.“ Und trotzdem hätten sie Respekt vor dem alten Haus gezeigt. „Es ist ja auch so eine schöne Bonbonschachtel“, sagt Mock O’Hara. „Das Theater des Westens ist ein Aushängeschild für die Firmengruppe, unser historischstes, ältestes und schönstes Haus.“ Schließlich ist es sozusagen die Wiege des Musicals in Deutschland, hier wurde 1961 erstmals die deutsche Version von „My Fair Lady“ aufgeführt.

Hombre und Winnetouch sollen noch viele Monate in Berlin auf der Bühne stehen „So lange es gut läuft, wird der ,Schuh des Manitu‘ weiter gespielt.“, sagt O''Hara. Sollten die Besucherzahlen doch irgendwann zurückgehen, werden die Cowboys und Indianer exportiert – allerdings nur innerhalb Deutschlands. „Im Ausland würde man den deutschen Humor nicht verstehen“, glaubt O’Hara.

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