Schuld und Sühne : Weitere Delikte 2010

MORD UND KÖRPERVERLETZUNG

Mord oder Körperverletzung mit Todesfolge – das ist die Frage, die am 6. 9. am Landesgericht München I im Mittelpunkt steht. Das Gericht folgt in weiten Teilen der Anklage der Staatsanwaltschaft und verurteilt den Haupttäter Markus S. (19) zu neun Jahren und zehn Monaten Haft wegen Mordes, den 18-jährige Mitangeklagten Sebastian S. zu sieben Jahren wegen schwerer Körperverletzung. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Angeklagten den Manager Dominik Brunner im Jahr 2009 böswillig am S-Bahnhof München- Solln zu Tode geschlagen und getreten haben.

BEWAFFNETER RAUB

Die Dreistigkeit fasziniert: Am 6. 3. stürmen vier junge Männer brüllend und bewaffnet ein Poker-Turnier im Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz und erbeuten 242 000 Euro. Raffiniert sind die vier Täter aus Kreuzberg und Neukölln allerdings nicht und daher schnell gefasst. Bereits Anfang Juli werden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, kurz darauf beginnt auch der Prozess gegen die Drahtzieher. Die Beute ist bis heute größtenteils verschollen – wahrscheinlich verprasst, meinen Experten.

GEFÄHRLICHE KÖRPERVERLETZUNG

Am 26. 8. ist klar: Nadja Benaissa muss nicht ins Gefängnis. Das Amtsgericht Darmstadt verurteilt die 28-jährige No-Angels-Sängerin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Das Gericht befindet sie für schuldig, 2004 trotz einer HIV-Infektion ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Benaissa zeigt sich reuig, im September veröffentlicht sie gemeinsam mit der Journalistin Tinka Dippel ihre Biografie „Alles wird gut“.

SEXUELLE BELÄSTIGUNG?

Mehrere junge Referees beschuldigen im Februar den Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, Manfred Amerell, sie sexuell belästigt zu haben, allen voran der Fifa- und Bundesligaschiedsrichter Michael Kempter. Am 12. 2. tritt Amerell von seinen Ämtern zurück, streitet die Vorwürfe aber ab. Er veröffentlicht private E-Mails, die belegen sollen, dass die Beziehung zwischen ihm und Kempter beiderseitig gewollt gewesen sei. In der Folgezeit zieht er auch vor Gericht, um die Wiederholung der Vorwürfe gegen ihn untersagen zu lassen, bisher ohne Erfolg.

SEXUELLE ENTGLEISUNG

Justiziabel ist es nicht, was mit der Veröffentlichung der Biografie „Carl XVI Gustaf – Den motvillige monarken“ (Zu deutsch: „Monarch wider Willen“) am 3. 11. über den schwedischen König Carl Gustaf ruchbar wird: Neben Besuchen in Nachtclubs soll der König seine Frau Silvia bereits in den 70ern systematisch mit der Popsängerin Camilla Henemark betrogen haben. Auf die Vorwürfe reagiert das Königshaus schwedisch-liberal: „Ich habe mit meiner Familie gesprochen und wir haben uns entschlossen, das Kapitel abzuschließen und nach vorne zu blicken“, so der König wenige Tage nach den Enthüllungen.

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