Zeitung Heute : Schulen sollen Pisa-Ergebnisse mit Eltern diskutieren

Der Tagesspiegel

Die Pisa-Schulen sind nicht verpflichtet, ihre Resultate aus der internationalen Leistungsstudie öffentlich zu machen. Nicht einmal die Elternvertreter können Aufklärung über das Abschneiden ihrer Schulen verlangen. Das sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) dem Tagesspiegel gestern. Er begründete es mit den Absprachen, die im Vorfeld zwischen den Pisa-Verantwortlichen und den Schulen getroffen wurden. Allerdings hofft Böger, dass sich möglichst viele Schulen der Diskussion stellen.

„Ich bin höchst interessiert daran, dass die Ergebnisse sehr sorgsam und schonungslos diskutiert werden“, stellte Böger klar. Das setze voraus, dass die Kollegien ihre Pisa-Daten zunächst einmal anfordern. Dazu seien sie allerdings ebensowenig verpflichtet wie zu einer Unterrichtung der Eltern über die Ergebnisse. „Die Eltern haben keinen Anspruch darauf, die Resultate zu erfahren“, erläuterte der Senator die Rechtslage.

Der Landesschulbeirat bedauerte, dass den Schulen ein derartig großer Ermessensspielraum im Umgang mit den Pisa-Daten eingeräumt wird. „Die Eltern setzen voraus, dass sie informiert werden“, betont die Beiratsvorsitzende Elisabeth Willkomm. Es gehe nicht an, dass die Kollegien die Resultate für sich behielten. Auch die Schüler müssten Bescheid wissen. Immerhin sei Pisa auch eine Gelegenheit, das Bewusstsein dafür zu wecken, dass die Qualität verbessert werden müsse. Willkomm, die selbst fünf Kinder durch Berlins Schulen begleitet hat, hofft auch, dass die Pisa-Ergebnisse dazu genutzt werden, die Leistungen von Parallelklassen in einer Schule zu vergleichen.

Wie berichtet, hatten sich 101 Berliner Schulen den Aufgaben gestellt, die die OECD international von hunderttausenden Schülern aus 32 Staaten hatte bearbeiten lassen. Allein 50 000 15-Jährige waren es in Deutschland, davon rund 3500 in Berlin. Allen Schülern wurde zugesichert, dass ihre Daten anonymisiert ausgewertet werden, was auch allgemein akzeptiert wird. Dem Landesschulbeirat und dem Bildungssenator geht es allerdings darum, dass das Abschneiden der einzelnen Schulen offen diskutiert wird.

Noch ist nicht klar, wie sich die Kollegien verhalten werden. Denkbar ist, dass sich einige Schulen mit besonders leistungsschwacher Klientel um die Diskussion ihrer Pisa-Resultate drücken wollen und die Daten gar nicht erst anfordern. In dem Moment allerdings, wo sie die Daten haben, ist es relativ unwahrscheinlich, dass sie von den Kollegien geheim gehalten werden können. „Es wäre weltfremd zu glauben, dass die Daten ohne Eltern und Schüler diskutiert werden können“, steht etwa für den Leiter des Humboldt-Gymnasiums, Hinrich Lühmann, fest. Er „erwartet“ sogar die Mitwirkung der Eltern. Susanne Vieth-Entus

Wer mehr über Pisa und die Konsequenzen erfahren möchte, ist herzlich eingeladen zum „Treffpunkt Tagesspiegel“ am 16. April. Ab 18 Uhr diskutieren Bildungssenator Klaus Böger, FU-Vizepräsident Dieter Lenzen, die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Mieke Senftleben, der Vorsitzende des Landeselternausschusses Peter Schmidt und der Leiter des Tagesspiegel-Bildungsressorts, Uwe Schlicht. Es moderiert Wissenschaftssenator a.D. George Turner (Hotel Intercontinental, Budapester Str. 2, Eingang LA Café).

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