Schulreform : Aus für zehn Berliner Gymnasien?

Das angestrebte zweigliedrige Schulsystem in Berlin könnte mindestens zehn Gymnasien die Existenz kosten. Davon gehen Schulleiterverbände und Landeselternausschuss aus, falls die Zugangsregelungen für die Gymnasien verschärft werden.

Susanne Vieth-Entus

BerlinBerlin - Das angestrebte zweigliedrige Schulsystem in Berlin könnte mindestens zehn Gymnasien die Existenz kosten. Damit rechnen Schulleiterverbände und Landeselternausschuss, falls die Zugangsregelungen für die Gymnasien verschärft werden: Aktuelle Überlegungen gehen dahin, dass nur Schüler mit guten Hauptfachnoten auf das Gymnasium kommen sollen. Damit wären etwa 20 Prozent der Schüler, die unter jetzigen Bedingungen noch aufgenommen werden dürfen, außen vor.

„Das Gymnasium wird kleiner, feiner und auch elitärer aus der Reform hervorgehen“, erwartet der Vorsitzende der GEW-Schulleitervereinigung Wolfgang Harnischfeger. „Wenn es zehn Gymnasien weniger gibt, ist das nicht schlimm.“ Es liege in der „Logik des Systems“, dass man die Zahl der Gymnasien verringern müsse: Anders sei die geplante Sekundarschule „nicht überlebensfähig“. Zurzeit gibt es rund 100 Gymnasien.

In Berlin soll es nach dem jüngsten Senatsbeschluss von SPD und Linkspartei nur noch Gymnasien und Sekundarschulen geben. Beide Schulformen sollen zum Abitur führen. Das bedeutet, dass auch die Sekundarschulen leistungsfähige Schüler brauchen – Schüler, die bisher auch ohne weiteres an einem Gymnasium aufgenommen wurden. Der Senat sucht nun einen Weg, den Zugang zum Gymnasium zu erschweren. Als ein mögliches Aufnahmekriterium wird in der Bildungsbehörde ein Numerus Clausus von 2,0 in den Hauptfächern genannt. Diesen Weg geht beispielsweise Thüringen.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) begründet die Verschärfung des Zugangs damit, dass die Gymnasien in nur zwölf Jahren zum Abitur führen sollen und dabei Schüler nicht mehr abgeben dürfen. Das sei nur mit leistungsstarken Schülern zu schaffen. Unterstützung bekommt er vom Verband der Oberstudiendirektoren. „Wenn Gymnasien gezwungen sind, alle aufgenommenen Kinder zu behalten, muss es einen NC geben“, steht für den Vorsitzenden Ralf Treptow fest. Da es dann weniger Gymnasiasten gebe, „gehe ich davon aus, dass Gymnasien schließen“, sagt Treptow. Welche das seien, müsse man „dem Markt überlassen“.

Der Landeselternausschuss kritisiert, dass die Notengebung der Grundschule zu subjektiv sei, um daraus zuverlässig Eignung oder Nichteignung für das Gymnasium abzuleiten. Elternsprecher André Schindler hält die Schließung von Gymnasien für „unvermeidlich“, wenn der Senat einen strengen Numerus Clausus ansetzt. Je nachdem, ob der verlangte Notenschnitt bei 2,0 oder 2,5 liegen werde, würden 20 bis 25 Prozent der Gymnasialkapazitäten nicht mehr gebraucht, sagte Schindler. Bisher wechseln 45 Prozent der Grundschüler auf ein Gymnasium.

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