Zeitung Heute : Schummle, schummle Häuslebauer

Behörden wollen Steuersünder auch im Ausland schnappen

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Von Jan Keuchel

„Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen“ – auch die Fahndung gegen Deutsche, die Häuser oder Yachten in Spanien mit Schwarzgeld erworben haben, könnte bald von dieser Schlagzeile überschattet sein. Steuersünder, die das Geschäft mit Auslandsobjekten im großen Stil betreiben, sollen längst dazu übergegangen sein, Gesellschaften in Steueroasen zwischenzuschalten. Der Effekt: Die Spur zum wahren Eigentümer lässt sich für die Finanzbehörden kaum mehr nachverfolgen. Brisant sind diese Erkenntnisse deshalb, weil die Steuerfahndung seit kurzem umfangreiche Listen mit spanischen Grundbuchauszügen durchforstet, um Deutschen, die Schwarzgeld-Immobilien in Spanien besitzen, auf die Schliche zu kommen. Das Material mit den n der Hausbesitzer haben die spanischen Behörden dem Bundesamt für Finanzen (BfF) übergeben. Dort hält man es nun für möglich, dass den Ermittlern die großen Fische gar nicht ins Netz gehen. „Wenn die Gründung der ausländischen Gesellschaft von Fachleuten gemacht wird, kann man in aller Regel nicht feststellen, wer dahinter steckt“, sagte ein BfF-Beamter.

Solche Umgehungsstrategien laufen seit Jahren. „Dazu wird eine Stiftung oder Anstalt in Liechtenstein gegründet, die mit dem Schwarzgeld auf ihren Namen Grundstücke oder Schiffe erwirbt“, erläuterte der Beamte. „Der wahre Eigentümer kann diese dann, ohne aufzufliegen, mieten oder chartern.“ Ein Trick, den auch die Oberfinanzdirektion Münster bestätigt. „Unsere Fahnder stoßen immer wieder auf Fälle, in denen Stiftungen in Liechtenstein als Eigentümer fungieren.“ Das Fürstentum ist die ideale Fluchtburg, weil die dortigen Gesetze dem Stiftungsgründer ermöglichen, anonym zu bleiben. Zwar müssen die Treuhänder offen legen, wer sich hinter der Stiftung verbirgt. Ausländischen Ermittlern bleiben diese Information jedoch vorenthalten. Denn zu Amtshilfe sind die Liechtensteiner nicht bereit. Das Steuerparadies stemmt sich noch immer hartnäckig gegen Forderungen der Staatengemeinschaft, gegen Steuerflüchtlinge vorzugehen.

Bei den Steuerfahndungsstellen in Bochum und Köln hält man es für aussichtslos, diese Fluchtburg in naher Zukunft einzunehmen. „Liechtenstein ist für uns in der Tat ein weitgehend weißer Fleck“, sagt Alexander Knüppel, Leiter des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Köln. Anwälte warnen Steuersünder allerdings davor, sich allzu sicher zu fühlen. „Hier tickt eine Zeitbombe“, meint Bernd Rödl, Experte für Wirtschaftsstrafrecht aus Nürnberg. „Steuerbetrug verjährt erst in zehn Jahren. Bis dahin könnte auch Liechtenstein durchsichtiger werden.“

Unterdessen ranken sich um die Frage, warum die als unkooperativ geltenden Spanier den deutschen Kollegen jetzt Grundbuchlisten zur Verfügung gestellt haben, Spekulationen. Es halten sich Gerüchte, dass die Verbände der spanischen Hotelbesitzer Druck auf Regierung und Behörden ausgeübt haben. Anwalt Bernd H. Dücker von der Deutsch-Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz vermutet, dass die Hoteliers, insbesondere auf den Balearen, die ungeliebten deutschen Finca-Besitzer loswerden wollen, die unter der Hand ihre Häuser an Touristen vermieten.

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