Zeitung Heute : Schutz nach Plan

Dagmar Dehmer

Die Bundesregierung folgt bei der Bekämpfung der Vogelgrippe ihren Krisenplänen zur Tierseuchenbekämpfung. Was nützen diese Vorschriften den Behörden jetzt?

Die Vogelgrippe trifft Deutschland nicht unvorbereitet. Seit mehr als einem Jahr warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass das Pandemierisiko lange nicht so hoch war, wie derzeit. Eine Pandemie ist eine Grippewelle, an der weltweit zehntausende Menschen, unter Umständen sogar Millionen sterben könnten. Die WHO wie auch die Welternährungsorganisation (FAO) befürchten, dass von dem nun auch in Deutschland bestätigten Vogelgrippevirus H5N1 die Gefahr ausgehen könnte, Auslöser einer Pandemie zu werden. Der Grund: Das Virus ist wandlungsfähig und hoch ansteckend. Bisher hat es sich aber nicht so verändert, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Bisher ist die Vogelgrippe eine Tierseuche.

Doch die Warnungen der UN-Organisationen sind in Deutschland gehört worden. Schon im vergangenen Jahr hat das Bundesgesundheitsministerium das Robert-Koch-Institut beauftragt, einen Pandemieplan für Deutschland zu erarbeiten. Seit April 2005 liegt auch ein so genannter Aktionsplan dazu vor. Bund und Länder haben mit Pharmakonzernen Vorverträge für die Entwicklung eines Impfstoffes abgeschlossen. Ein Impfstoff kann Leben retten, wenn tatsächlich eine Grippewelle wütet. Um besonders gefährdete Personen, etwa im Gesundheitswesen, zu schützen, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, haben die Bundesländer unterschiedlich große Mengen antiviraler Medikamente wie Tamiflu (Roche) oder Relenza (Glaxo-Smith-Klein) angelegt. Die größten Vorräte hat Nordrhein-Westfalen eingekauft. Dort stehen für 30 Prozent der Bevölkerung solche Medikamente zur Verfügung. In einigen Ländern sind jedoch nur für rund zehn Prozent der Bevölkerung entsprechende Arzneimittel angeschafft worden.

Auch auf die Tierseuche ist Deutschland gut vorbereitet. Als vor knapp drei Jahren in den Niederlanden die gewöhnliche Geflügelpest ausbrach und dort Millionen von Hühnern getötet werden mussten, verfügte Deutschland längst über eine Geflügelpest-Verordnung für den Notfall. Sollte das H5N1-Virus demnächst auch in Hausgeflügel gefunden werden, wird zunächst der betreffende Hof gesperrt. Sämtliche Tiere werden sofort getötet. Auch im näheren Umkreis um den betroffenen Hof müssen alle Hühner, Enten, Gänse oder Puten getötet werden, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Gleichzeitig werden Handelsbeschränkungen und Schlachtverbote ausgesprochen.

Zusätzlich zu diesen Notfallplänen gab es bereits im vergangenen Herbst die Vorgabe, Geflügel während des Vogelzugs in Ställe zu sperren. Dieses Aufstallungsgebot gilt nun auch im Frühjahr, von Freitag an bis Ende April. Damit soll verhindert werden, dass sich Hausgeflügel bei infizierten Wildvögeln mit dem gefährlichen H5N1-Virus ansteckt. Kann das Geflügel nicht in Ställen untergebracht werden, muss es mit engmaschigen Netzen abgedeckt werden. Zudem gelten Handelsbeschränkungen, und es gibt Kontrollen für Reisende aus Risikoländern wie etwa der Türkei. Reisende müssen seit dem Auftauchen des H5N1-Virus in der Türkei erklären, dass sie kein Geflügel und keine Geflügelprodukte einführen. Auch Güterimporte werden stärker kontrolliert als üblich. Innerhalb der europäischen Union wird derzeit auch darüber diskutiert, wie die Außengrenzen noch besser geschützt werden können. Die Chancen, die Vogelgrippe aufzuhalten, stehen also nicht schlecht.

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