Zeitung Heute : Schwarzer Montag an den Börsen

Händler sprechen von „nackter Panik“ und „Ausverkaufsstimmung“ / Dax zeitweise 7,5 Prozent im Minus

Stefan Kaiser

Berlin - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag die größten Verluste seit dem 11. September 2001 verbucht. Aus Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise verkauften die Anleger rund um den Globus massenhaft Aktien. Der Deutsche Aktienindex (Dax) brach zeitweise um 7,5 Prozent ein und fiel auf den niedrigsten Stand seit März 2007. Kurz vor Börsenschluss notierte er bei 6812 Punkten (minus 6,8 Prozent). Seit Jahresbeginn hat er damit rund 15 Prozent an Wert verloren.

Auch im übrigen Europa und in Asien sanken die Kurse. Der japanische Nikkei- Index fiel um 3,9 Prozent, der französische CAC40 um sechs Prozent. In den USA blieben die Börsen am Montag wegen eines Feiertags geschlossen. Dort werden für den heutigen Dienstag weitere Kursverluste erwartet.

Händler an der Frankfurter Börse sprachen von „nackter Panik“ und „Ausverkaufsverstimmung“. Vor allem amerikanische Investoren zögen ihr Geld aus Europa ab, hieß es. Durch den Kurssturz wurden alleine bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland innerhalb weniger Stunden mehr als 50 Milliarden Euro an Wert vernichtet.

Grund für den dramatischen Absturz ist die Angst vor einer Rezession in den USA und einer Ausweitung der Bankenkrise. Experten erwarten, dass die amerikanische Wirtschaft infolge der dortigen Immobilienkrise in schwere Probleme geraten könnte. „Sollte es zu einer starken Rezession kommen, dann kämen wir nicht ungeschoren davon“, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen. „Dann werden die Schockwellen des Erdbebens in Deutschland zu spüren sein.“ Das Konjunkturprogramm über 150 Milliarden Dollar (knapp 104 Milliarden Euro), das US- Präsident George W. Bush am Freitag angekündigt hatte, überzeugte die Börsianer nicht.

Die Bundesregierung bemühte sich am Montag, die Wogen zu glätten. „Es gibt in Deutschland keinen Grund zur Sorge“, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin. Die reale, produzierende Wirtschaft sei „nach wie vor in Ordnung“. Dort gebe es keinen Grund für einen pessimistischen Ausblick. Der Kursrutsch sei eine Reaktion auf die Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten, sagte Glos. Auch dürften Meldungen über neue Verluste bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) eine Rolle gespielt haben.

Die WestLB hat sich auf dem US-Hypothekenmarkt verspekuliert und muss nun von den Eigentümern, dem Land Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen, mit zwei Milliarden Euro gestützt werden. Dies ließ Spekulationen über weitere Verluste auch bei anderen deutschen Banken aufkommen. Die Commerzbank kündigte an, für das abgelaufene vierte Quartal 2007 weitere Abschreibungen vornehmen zu müssen. Bereits in der vergangenen Woche hatten amerikanische Banken die Anleger mit neuen Milliardenbelastungen schockiert. Für die nächsten Wochen werden die Jahresbilanzen der deutschen Banken erwartet. „Das Vertrauen der Investoren in die Bankenwerte ist schwer angeknackst“, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck dem Tagesspiegel. „Ich befürchte, dass wir noch weitere Tiefpunkte sehen werden.“

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