Zeitung Heute : Schwarzfahren kostet bald 40 Euro

Der Tagesspiegel

Schwarzfahren wird teurer in Berlin. Zum Jahresbeginn 2003 soll das „erhöhte Beförderungsentgelt“ von 30 auf 40 Euro steigen. Dafür hat sich der zuständige Bund-Länder-Ausschuss ausgesprochen. Nach Ansicht der BVG wird aber auch das nicht die gewünschte Abschreckung bringen: „Die Strafe muss höher sein als der Preise einer Monatskarte“, sagt BVG-Sprecher Ulrich Mohneke. Alles andere tue dem Schwarzfahrer nicht weh: „Der zahlt das.“ Zuletzt war der Preis für ertappte Schwarzfahrer 1989 erhöht worden – auf 60 Mark. Doch schon damals hatte die BVG gefordert, die Strafe noch weiter anzuheben.

Mit 40 Euro als „erhöhtes Beförderungsentgelt“ würde Berlin sich anderen Metropolen der Welt annähern. In Paris muss ein Schwarzfahrer 62 Euro berappen, wenn er erwischt wird. In New York droht dem Schwarzfahrer im Zuge der Null-Toleranz-Politik von Rudolph Giuliani sogar die Festnahme. Nur in London ist Schwarzfahren billiger: In der U-Bahn kostet es 10 Pfund (etwa 15 Euro), im Bus sogar nur 5 Pfund.

In New York und Paris ist das Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel allerdings auch erheblich billiger. In New York kann man für 1,50 Dollar unbegrenzt durch die fünf Stadtteile fahren, in Paris kostet der Einzelfahrschein für die Métro 1,30 Euro. In London richtet sich der Fahrpreis nach der zurückgelegten Strecke.

In Berlin gehen den Verkehrsbetrieben im Jahr allein bei den Bussen 20 Millionen Euro durch Schwarzfahrer verloren, sagt der Vorsitzende des BVG-Personalrats, Uwe Nitzgen. Dieser Verlust an Fahrgeldeinnahmen entspreche einer durchschnittlichen Tariferhöhung. Dass Schwarzfahrer den übrigen Fahrgästen auf der Tasche liegen, wird von diesen jedoch immer wieder zurückgewiesen: Wäre die BVG nicht so teuer, so das Gegenargument, würden auch mehr Schwarzfahrer ein Ticket lösen.

Laut S-Bahn und BVG beträgt die Schwarzfahrerquote in Berlin durchschnittlich drei Prozent, im letzten Jahr lag sie bei 3,5 Prozent. Bei Schwerpunktkontrollen werden jedoch regelmäßig höhere Zahlen festgestellt, manchmal von bis zu neun Prozent. Vor allem in den Bussen sei die Zahl der Schwarzfahrer stark angestiegen. Nitzgen forderte deshalb auch, die Regel, die Busfahrgästen auch das Einsteigen hinten gestattet, wieder zu ändern. Mohneke glaubt eher an verstärkte Kontrollen: „Die haben einen erzieherischen Wert.“ Moritz Schuller

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