Zeitung Heute : Schweigen bei Springer

jbh

Der Axel-Springer-Verlag schweigt zu den Stasi-Vorwürfen gegenüber den "Bild"-Redakteuren Hönel und Kimmel. Unternehmenssprecherin Edda Fels wollte am Montag nur bestätigen, dass "wir den Sachverhalt prüfen, mit den betroffenen Mitarbeitern Gespräche führen. Eine Stellungnahme geben wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht ab." Ein vergleichbarer, zurückliegender Fall war der Springer-Sprecherin nicht bekannt. Bestätigen wollte Edda Fels nur, dass es im Axel-Springer-Konzern "keine Regelüberprüfung von Journalisten aus der ehemaligen DDR durch die Gauck-Behörde gegeben hat, so wenig wie in anderen deutschen Verlagen". "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel war am Montag unter Hinweis auf die Springer-Öffentlichkeitsarbeit nicht zu sprechen. Die betroffenen Mitarbeiter waren am Montag am Arbeitsplatz nicht zu erreichen.

Mit Vorwürfen einer früheren Tätigkeit für das Ministerium für Staatsicherheit der DDR (MfS) sehen sich der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Klaus-Dieter Kimmel und "Bild"-Sportjournalist Manfred Hönel konfrontiert. Nach Recherchen des Deutschlandfunks liegen der Gauck-Behörde Dokumente vor, wonach sich Kimmel 1974 und 1988 gleich zweimal handschriftlich als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) "Fuchs" und IM "Martin Meinel" zur Mitarbeit für das Ministerium verpflichtet und dafür mehrfach Geldbeträge angenommen hatte. "Ich bin völlig überrascht. Eine weitere Stellungnahme ist momentan aber nicht möglich", hatte der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Paul C. Martin am Sonntag erklärt.

Manfred Hönel, der mit Kimmel jahre-lang in der Sportredaktion der FDJ-Zeitung "Junge Welt" tätig war, hat nach den Akten der Berliner Gauck-Behörde von 1968 bis Ende der 80-er Jahre als IM "Harro" für das MfS gearbeitet. Wie die Recherchen des Deutschlandfunks nach dessen Angaben belegen, soll Hönel zahlreiche Stasi-Aufträge "in kapitalistischen Ländern" erledigt haben und dafür mit westlichen Valuta entlohnt worden sein. Unter anderem soll Hönel einen "Bild"-Reporter ausspioniert haben, der 1972 in Göteborg die Republikflucht des DDR-Eiskunstlaufmeister Günther Zöller organisiert haben soll. "Dazu kann ich gar nichts sagen. Das muss ich selbst erst einmal alles sehen", hatte Hönel am Sonntag in einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

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