Schweinegrippe : Wie gefährlich ist die Schweinegrippe-Impfung?

Die Bundeswehr wird mit einem anderen Impfstoff gegen die Schweinegrippe versorgt als der Rest der Bevölkerung. Andernorts regt sich Unmut wegen der Verträglichkeit. Wie gefährlich ist die Impfung?

Hartmut Wewetzer

Die Impfung gegen die Schweinegrippe steht weiter in der Kritik. Der in Deutschland zugelassene Impfstoff sei wegen seiner Zusatzstoffe mit erheblichen Risiken behaftet, sagte Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen- Lippe, dem „Westfalen-Blatt“. Bei der geplanten Impfaktion handle es sich um einen Feldversuch an der Bevölkerung mit vielen Unwägbarkeiten. Windhorst empfahl stattdessen, sich gegen die normale Grippe impfen zu lassen.

Zwei der in der EU zugelassenen Impfpräparate namens „Focetria“ (Hersteller Novartis) und „Pandemrix“ (GSK) enthalten Zusatzstoffe. Für Deutschland wurden 50 Millionen Dosen Pandemrix bestellt. Der Impfstoff enthält als Konservierungsmittel die Quecksilberverbindung Thiomersalin in sehr geringer Konzentration. Sie soll verhindern, dass die Impfampullen von Bakterien besiedelt werden, weil jede Ampulle zehn Impfdosen enthält. Außerdem enthält Pandemrix den Verstärker (Adjuvanz) AS03, in dem unter anderem Squalen, eine Substanz aus Haifischleber, enthalten ist. Der Verstärker soll die Antwort des Immunsystems auf den Impfstoff erleichtern. Durch den Verstärker wird der Impfstoff zum einen „gestreckt“, zum anderen erhofft man sich einen erweiterten Schutz auch gegen leicht abgewandelte Krankheitserreger.

„Thiomersal oder die Verstärker stellen kein bedeutsames gesundheitliches Risiko dar“, sagte Susanne Stöcker, Sprecherin des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, dem Tagesspiegel. „Alle verfügbaren Daten zeigen, dass die neuen Impfstoffe gegen die Schweinegrippe ganz normal verträglich sein werden.“ Häufiger seien lediglich Reaktionen wie Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Am Montag wurde auch bekannt, dass die Bundeswehr den Ganzvirus-Impfstoff „Celvapan“ der Firma Baxter einsetzen wird. Er enthält keinen Verstärker. Die Bundeswehr begründet dies damit, dass die Soldaten einen umfassenden Impfschutz erhielten, weshalb es erforderlich sei, auf die wechselseitige Verträglichkeit mit anderen Impfstoffen zu achten. Dazu zählten auch Konservierungsstoffe und Verstärker in Impfstoffen.

Aus Sicht des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es in der Verträglichkeit jedoch keine großen Unterschiede zu Pandemrix. „Eigentlich ist man bereits vor Jahrzehnten von Ganzvirus-Impfstoffen auf Spaltimpfstoffe, die nur Virusbestandteile enthalten, umgestiegen, weil diese verträglicher sind“, sagte die Institutssprecherin.

1976 traten in den USA nach einer Impfung gegen die Schweinegrippe – schon damals war eine Pandemie befürchtet worden – gehäuft bestimmte Nervenentzündungen namens Guillain- Barré-Syndrom auf. Jedoch konnten diese Erkrankungen nicht auf einen bestimmten Impfstoff zurückgeführt werden. Und einen Verstärker enthielten die Impfstoffe auch nicht. Um seltene Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, müssen die Hersteller nun einen „Risikomanagementplan“ erfüllen, in dem schwere Komplikationen registriert und rasch gemeldet werden. Auch die EU-Gesundheitsminister einigten sich bei ihrem Sondertreffen zur Schweinegrippe in Luxemburg auf eine genaue Überwachung möglicher Nebenwirkungen.

Kritisiert wird auch, dass in Deutschland geimpft werden soll, obwohl die Schweinegrippe hierzulande sehr mild verlaufen ist. Offiziell wurden bisher 22 400 Menschen infiziert, die Dunkelziffer geht aber in die Hunderttausende. Trotzdem kam es nur zu zwei Todesfällen. „Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Schweinegrippe bei chronisch Kranken und Schwangeren mitunter alles andere als harmlos ist“, sagte Stöcker. Diesen Gruppen wird die Impfung zunächst ermöglicht. Aber die nächste Krankheitswelle könnte gefährlicher werden.

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