Zeitung Heute : Schweißhemmend und krampflösend

Salbei gilt als Allheilmittel für viele Fälle.

Salbei kann nach der Blüte gesammelt werden – also im September. Foto: Tassilo Wengel
Salbei kann nach der Blüte gesammelt werden – also im September. Foto: Tassilo Wengel

Nur wenige Kräuter haben als Heil-, Würz- und Zierpflanze gleichermaßen Bedeutung wie der Salbei. Das gilt in erster Linie für den Echten Salbei (Salvia officinalis), der mit seinen aromatischen Blättern auch Gewürzsalbei genannt wird und ein uraltes Heil- und Würzkraut ist.

Der Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist mit rund 700 Arten in Europa und Amerika zu Hause. Die Palette reicht von ein- und zweijährigen Kräutern über Stauden bis zu Halbsträuchern, die vor allem in den Tropen und Subtropen ihre Heimat haben. In Europa kommen nur rund 30 Arten vor, deren Schwerpunkt ihrer Verbreitung vor allem im Mittelmeerraum liegt.

Schon die Römer schätzten dieses Würzkraut und nannten es „salvia“. So wie verschiedene heil- und würzkräftige Pflanzen im Zuge der römischen Expansion nach Mitteleuropa gelangten, brachten die Römer vermutlich auch Salbeipflanzen mit. Aber auch die Mönche hatten einen bedeutenden Anteil an der Verbreitung dieser Pflanzen. Vor allem die Benediktinermönche aus dem Kloster Monte Casino brachten Pflanzen mit, um sie in die Gärten ihrer neu gegründeten Klöster nördlich der Alpen zu pflanzen. Schnell trat der Salbei in Mittel- und Westeuropa einen Siegeszug an. Kaiser Karl der Große (um 800) bestimmte in seiner Landgüterverordnung (Capitulare de villis), dass neben anderen Würzpflanzen auch Salbei angebaut werden soll und der Abt Walahfried Strabo beginnt mit dem Salbei sein um 825 veröffentlichtes Gartengedicht Hortus. Auf dem 1410 entstandenen Gemälde „Paradiesgärtlein“ ist der Salbei zwischen verschiedenen Pflanzen zu sehen und im Kräuterbuch von Hieronymus Bock von 1539 wird das Kraut in höchsten Tönen gelobt. Auch heute noch schätzt man den Echten Salbei wegen seiner antiseptischen und schweißhemmenden Wirkung und verwendet ihn häufig als Tee. Als Küchengewürz werden die Blätter gern bei der Zubereitung zahlreicher Gerichte als Würzmittel verwendet. Kultivierte man den Salbei im frühen Mittelalter ausschließlich als Heil- und Gewürzpflanze, erkannte man später auch seinen dekorativen Charakter und pflanzte ihn bereits in den mittelalterlichen Klostergärten zusammen mit Rosen und anderen Zierpflanzen.

Beim Echten Salbei handelt es sich um einen breitbuschig wachsenden immergrünen Halbstrauch von 20 bis 50 Zentimeter Höhe. Die Stängel sind vierkantig, filzig behaart, die Blätter graugrün, schmal-elliptisch bis eiförmig und gekerbt bis ganzrandig. Prachtvoll sind die blauen oder violetten Blüten, die zu mehreren in Scheinquirlen vereinigt sind und sich von Juni bis August an den Enden der Triebe entfalten.

Damit sich die Pflanzen gut entwickeln und ihr Aroma voll ausbilden, ist im Garten ein vollsonniger Standort wichtig. Der Boden sollte durchlässig, trocken und kalkhaltig sein. Günstig ist, wenn humoser Gartenboden mit Sand oder Splitt vermischt wird, damit der Boden mager und durchlässig wird. Da die Pflanze in unseren Breiten nur bedingt winterhart ist, sollte sie einen Winterschutz aus Laub und Reisig erhalten. Im Frühjahr ist Rückschnitt sinnvoll, dadurch wird der Austrieb aus altem Holz gefördert.

Die Verwendung der Pflanze ist vielseitig. Junge Blätter und Triebspitzen werden vor der Blüte geerntet und frisch oder getrocknet für Suppen, Eintöpfe, Geflügel, Lamm- und Schweinebraten oder gegrillten Fisch verwendet. Für fette Speisen wird der Echte Salbei besonders empfohlen, da er die Bekömmlichkeit fördert. Große Blätter sind auch in Butter gebraten empfehlenswert. Frische Salbeiblätter unter Quark oder Weichkäse gemischt, ergeben einen leckeren Brotaufstrich. Aus frischen oder getrockneten Blättern wird Salbeitee hergestellt, der als Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund und Rachenraum verwendet wird. Prinzipiell ist die Ernte von Salbei vom Frühling bis zum Herbst möglich. Man schneidet einzelne, noch nicht verholzte Triebspitzen ab, wodurch die Verzweigung und Bildung neuer Triebe gefördert wird. Um einen Vorrat anzulegen, werden einige Triebe nach dem Schnitt gebündelt und kopfüber an einem luftigen, schattigen Platz im Freien aufgehängt, wo die Bündel vor Regen geschützt sind. Man kann auch die Triebe auf einen Gitterrost oder mit Gaze bespannten Rahmen in einem luftigen Raum trocknen.

Sind die Triebe so weit getrocknet, dass sich die Blätter leicht zwischen den Fingern zerbröseln lassen, füllt man sie in Schraubgläser. Während sich die Blätter leicht vom Stängel lösen lassen, schneidet man die Stängel in kleine Stücke. An einem dunklen Ort lässt sich der Salbei bequem aufbewahren und behält längere Zeit sein Aroma. Zumindest lässt sich auf diese Weise ein Vorrat anlegen, der über den ganzen Winter reicht.

Neben seiner Verwendung als Heil- oder Gewürzpflanze hat der Echte Salbei auch als Zierpflanze Bedeutung. Neben den attraktiven blauen oder violetten Blüten sind bei zahlreichen Sorten auch die Blätter besonders dekorativ. Ihre unterschiedliche Form und Farbe, aber auch die Größe und Zeichnung sind recht variabel. Mit seinen graugrünen Blättern setzt er zwischen anderen Pflanzen interessante Kontraste. Besonders wirkungsvoll ist er zum Beispiel in Gemeinschaft mit Rosen, wo sich mit seinen zahlreichen Sorten interessante Aspekte schaffen lassen. Auch zum Bepflanzen von Beeten oder in dekorativen Gefäßen lässt sich der Salbei gut verwenden, wo sie ideale Partner für Sommerblumen sind. Tassilo Wengel

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