Zeitung Heute : Schweiz – Ukraine

Achtelfinale, WM-Stadion Köln, 21.00 Uhr, live im ZDF und bei Premiere

-

Einverstanden. Die ukrainischen Fußballer hätten „zum Ruhm für unser Land beigetragen und sein positives Image verbessert“, befand Viktor Juschtschenko nach dem Erreichen des Achtelfinales. Eben so eine Präsidenten-Äußerung, was soll man auch sagen. Sollte Juschtschenko aber ernst gemeint haben, was er dem Team noch in einem Glückwunschtelegramm übermittelte, so wird man an seinem Verstand zweifeln müssen: Ein großartiges Spiel habe er gegen Tunesien gesehen. Wie man sich täuschen kann. Professionelle Beobachter und Zuschauer jedenfalls waren sich einig, einem miserablen Kick beigewohnt zu haben. „Wir wollten vor allem nicht verlieren“, sagte Andrej Schewtschenko, der einzige Star des Teams, hinterher. Trainer Oleg Blochin hatte sich auch einen Tag nach dem Spiel noch nicht wieder beruhigt: „Wir haben in Überzahl aufgehört, Fußball zu spielen. Jeder hat nur gerechnet.“

Überhaupt konnten die Ukrainer bisher nicht rechtfertigen, dass man ihnen vor Turnierbeginn sogar Außenseiterchancen einräumte. Überfordert gegen die Spanier, ungefährdet nur gegen nicht wettbewerbsfähige Saudi-Araber. Dann das unansehnliche, glückliche 1:0 gegen Tunesien.

Nun also warten die Schweizer, die mit einigem Selbstvertrauen in die Partie gehen. Die Vorrunde haben sie vor den stärker eingeschätzten Franzosen als Gruppenerster beendet. Und ohne Gegentor, als einzige Mannschaft.

Das letzte Spiel gegen Südkorea offenbarte all das, wozu die junge Schweizer Mannschaft in der Lage ist. Und zwar in jeder Hinsicht. Die Vorgabe, mit einem frühen Führungstreffer die Asiaten aus der Defensive zu locken und selbst aus sicherer Abwehr zu kontern, hat sie erfüllt. Danach zeigten die Schweizer ihren besten Fußball: fintenreich, ballsicher, gefährlich auf den Außenbahnen. Hakan Yakin verteilte souverän die Bälle und nahm zur rechten Zeit das Tempo raus. In der zweiten Hälfte war dann die andere Schweiz zu sehen: eine Mannschaft, die mit Fehlpässen den Gegner wieder ins Spiel brachte. Abwehrchef Patrick Müller zeigte Unsicherheiten, die er sich gegen Schewtschenko nicht leisten sollte.

Trainer Köbi Kuhn warnt daher: „Die Ukraine ist mindestens im Angriff Weltklasse.“ Zudem muss er auf einen wichtigen Defensivspieler verzichten: Für Philippe Senderos ist die WM nach seiner Schulterverletzung aus dem Südkorea-Spiel beendet. Doch auch Blochin muss seine Abwehr umbauen. Wjatscheslaw Swiderski und Andrej Russol fehlen wegen zweier Gelber Karten.

Schiedsrichter:

Benito Archundia (Mexiko)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben