Zeitung Heute : Schwer zu fliegen

Rainer W. During

Die Auslieferung des Airbus A 380 ist erneut wegen technischer Schwierigkeiten um ein halbes Jahr verschoben worden. Warum schafft es der Konzern nicht, die Probleme in den Griff zu bekommen?


Nach außen hin präsentiert Airbus den neuen A 380 als fliegenden Superstar, doch hinter den Kulissen treibt der Megajumbo den Konstrukteuren die Schweißperlen auf die Stirn. Die Verzögerungen hängen zumindest indirekt mit der Größe des A 380 zusammen. Die vier Düsentriebwerke des größten bisher gebauten Verkehrsflugzeuges müssen ein Startgewicht von bis zu 560 Tonnen in die Luft bringen. Um die durchschnittlich 555 Passagiere in hochwertiger Kabinenausstattung transportieren zu können, muss deshalb bei der Grundausstattung an jedem Gramm gespart werden. So werden Teile der Zelle aus dem neu entwickelten Verbundstoff Glare gefertigt, der leichter ist als das sonst übliche Aluminium.

Schon frühzeitig hatten die Airbus-Ingenieure bei dem ehrgeizigen Projekt mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Gerüchte über ein zu schwaches Fahrwerk wurden vor Monaten dementiert, während sich der Bruch einer Tragfläche bei Belastungstests am Boden im Februar nicht mehr verleugnen ließ. „Alles im grünen Bereich“, lautete damals dennoch die Botschaft aus Toulouse. Schließlich sei die Rissbildung nur knapp vor Erreichen der vorgegebenen, 50-prozentigen Höchstlastüberschreitung erfolgt. Doch ein Airbus-Spitzenmanager musste gegenüber einer Fachzeitschrift einräumen, dass man aus Gewichtsgründen keinen zusätzlichen Puffer eingebaut hat.

Um den fliegenden Koloss leichter zu machen, wurden auch die herkömmlichen Kupferkabel durch neuartige Aluminiumleitungen ersetzt, die bis zu 47 Prozent weniger wiegen. Engpässe bei der Definition, Herstellung und Installation elektrischer Systeme und Kabelbäume wurden jetzt als ein Grund für die neuerliche Lieferverzögerung genannt.

Wie es scheint, hatten die Airbus-Ingenieure zwar die einzelnen Probleme registriert, jede für sich aber als nicht so brisant eingestuft. Erst jetzt fiel ihnen auf, wie sie in Masse die gesamte Produktion zu lähmen drohten. Damit konfrontiert, sah die Geschäftsleitung keine andere Möglichkeit mehr, als die Notbremse zu ziehen.

Für Airbus ist die erneute Verzögerung beim A-380-Projekt ein weiterer Prestigeverlust. Zuvor hatte bereits der Airbus A 350, als Antwort auf die nach modernster Technologie nahezu vollständig aus Kunststoffen entwickelte amerikanische Boeing 787 gedacht, nicht die Erwartungen der potenziellen Kunden getroffen. Jetzt muss das Modell grundlegend nachgebessert werden. Doch auch bei der Konkurrenz scheint man die Tücken bei der Verwendung neuer Technologien unterschätzt zu haben. Auch bei der 787 scheint es unvorhergesehene Probleme zu geben. In den USA wird bereits ebenfalls über Verzögerungen spekuliert.

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