Zeitung Heute : Schweres Jancker- Trauma

Philipp Köster geht in Deutschland-Therapie

-

Mein Lieblingsverein ist Arminia Bielefeld. Ich weiß, das gehört eigentlich nicht hierher, weil ja WM ist und uns die Bundesliga erst wieder ab dem 10. Juli zu interessieren hat. Aber erstens habe ich ein missionarisches Bedürfnis, zweitens kann ich anhand meiner Beziehung zur Arminia ganz gut erklären, warum ich mich noch nicht so ekstatisch über die Nationalmannschaft freuen kann wie sonst alle.

Es ist nämlich so: Ich hätte nichts dagegen, mehr für die Nationalelf zu empfinden. Würde zu gerne ein Fähnchen ans Autofenster klemmen und alle drei Minuten eine Mail an trainer@nationalmannschaft.de schicken, um letzte Tipps fürs Achtelfinale gegen Schweden durchzugeben. Aber so sehr ich mich auch bemühe, das Feuer will noch nicht so recht überspringen. Als Klose gegen Ekuador seine erste Bude machte, applaudierte ich freundlich, während das Stadion im Jubel ertrank. Große Gefühle sehen anders aus.

Daheim bei Arminia ist das anders. Da herze ich im Stadion nach Toren schnauzbärtige Herren in speckigen Kutten. Ich verehre die Spieler, obwohl manche Unsympathen vor dem Herrn sind. Und wenn ich nicht vor Ort sein kann, laufe ich daheim einen Graben in den Teppich und aktualisiere alle zwei Sekunden den Liveticker im Internet.

Man könnte nun behaupten, ich habe ein verkrampftes Verhältnis zur Nation im Allgemeinen. Ich diagnostiziere lediglich ein schweres Wörns-Jancker-Trauma und bin bereit, in Therapie zu gehen. Am besten fange ich beim Achtelfinale gegen Schweden damit an und hefte das Fähnchen an die Karre. Wichtig wäre aber, dass die Therapie nicht vorzeitig unterbrochen wird, drei Sitzungen brauchte ich wohl noch. Also so ungefähr bis zum Finale.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben